Wer vertont mir das?

Herstellung von Geleebananen
übertragen im TV.
Rührwerke wälzen quälend langsam
Zentner zäher Masse in großen Kesseln.
Die wird hingegossen auf Bleche
und breit verteilt von einem Riesenspachtel.
Jetzt senken von oben
sich tausend krumme Förmchen.
Heben sich wieder,
zurück bleiben Bananen.
Nackt ruckeln sie weiter.
Aus spitzen Düsen
spritzt plötzlich Schokolade,
zielgenau und kurz.
Dann die Kühlung, dann die Verpackung.
Ganz hinten in der Riesenhalle,
einmal durchs Bild gehuscht,
ein Mann mit Haarnetz im weißem Kittel
ohne Schokoladenflecke.
Wird später auch befragt,
weiß alles, ist der Herr Ingenieur.
In der Reklame heißt es,
man widme sich zum Wohle …
Nein, heißt es natürlich nicht.
Soll man sich denken,
wenn einer ins Gelee
am Strand von Manitoba beißt
und sein Gesichtsausdruck
vom Glück des Menschseins kündet.
(Übrigens: Das habe ich alles nie gesehen.
Nur – nicht aber am Strand von Minatabo –
eine Packung Geleebananen aufgerissen.)

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… in Thüringen

Höttges, Haller, Siggi Held,
Marmelade, Abendröte,
Ecke, Strafraum, Mittelfeld,
wo gleich wohnte Wolfgang Goethe?

Schlappi, Steppi, Riegelrudi,
Uhu, Spucke, Tesafilm,
Zauberer, Magister ludi,
Goethe wohnte an der Ilm.

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Für Hartmut

img_09141970. Zu Beginn des Schuljahres kam ein Neuer in die Klasse. Hartmut. Den erstaunten Lehrern nannte er in einem Atemzug Namen und Existenzform. Heute heißt sie Verweiler, damals Sitzenbleiber. Hartmut kürte sich zum Repetenten. Er war neunzehn, zwei Jahre älter als wir anderen. Es zierte ihn ein blonder Bart in der Facon wie Walter Ulbricht seinen grauen trug. Hartmut lief nicht gebeugt unter der Last des US-Imperialismus, sondern wahrte aufrechte Haltung, trug geputzte Schuhe und gebügelte Oberhemden. Nein, Krawatten trug er nicht. Er war ein Dandy im Versuchs- oder Frühstadium und er kellnerte; und zwar regelmäßig, auch unterhalb der Woche. Der Laden hieß Steamer of Bremen. Wir vermuteten dort Leute seines Schlages, mit denen nichts anzufangen war. Der Neue brachte alle Voraussetzungen mit, ein Außenseiter zu werden, hätte es nicht ein anarchistisches Mädchentrio mit feiner Witterung für Verbündete gegeben.
Die drei waren nicht nur der Alptraum des Lehrkörpers. Auch die auf Bewusstseinserweiterung gepolten Ad-hoc-Gruppen und HISTOMAT-DIAMAT-Kader hatten ihre Probleme. Die beste Freundin des Trios hieß Anja. Anja hatte nichts dagegen, wenn die drei sich abends in der Schule einschließen ließen, ihre Vorbereitungen für einen fröhlichen Schulbeginn am nächsten Morgen trafen und aus dem Parterre wieder entstiegen. Anja war die Schäferhündin des Hausmeisters. Ergänzend wurde nun Hartmut in Dienst genommen.
„Und nun zu …“, ein Klassensatz Reclamhefte landete auf dem Lehrertisch, „… Brecht.“
Hartmut gluckste zweimal, hielt sich dann gekonnt den Handrücken vor den Mund und hüstelte, dem Lehrer anzeigend, die Contenance nur vorübergehend verloren zu haben. Den verdeckten Lacher nahm jedoch das Trio auf, das seine Sympathisanten ansteckte, sodass schließlich die gesamte Klasse bis zur Erschöpfung lachte. Eingeschlossen selbst die, die niemals lachten: Verlobte Schwangere und Zahnarztsöhne. Brauchte man frischen Impuls, reichte ein Blick hinüber zu Hartmut, der das prustende Hufeisen mit allergrößter Verständnislosigkeit betrachtete.
Er setzte sein Glucksen absolut instinktsicher. Es vergingen Tage, an denen wir nicht ein einziges Mal lachten. Als aber die Aufsichtsperson während einer Klassenarbeit selbstvergessen im Yoghurt rührte und schließlich den Löffel zum Munde hob, gab Hartmut Signal und die Lawine brach los. Als sie verebbt war, hörten wir, wie gesund Yoghurt sei, sahen Hartmut zustimmend nicken und es ging wieder los.
Der Musikunterricht fand nur theoretisch statt, tatsächlich herrschte große Pause. Auch hier griff Hartmut ein. Als die Pädagogin, unter Gegrummel und Gemache unsererseits, ein Stück am Flügel beendet hatte, stand er auf und applaudierte. Sie bedankte sich und gestand, für den kleinen Vortrag zu Haus sogar geübt zu haben. Hartmut setzte sich, wir schwiegen betreten. Keine Lehrkraft hatte es je geschafft, der Klasse Musik näherzubringen. Hartmut sorgte für die Wende.
Er mag eine gute Musiknote bekommen haben, die übrigen Fächer konnte er nicht bewältigen. Selbst Schuld. Wir hielten seine Kellnerei für exzentrisch überspannt, nicht für existenziell notwendig. Nach einem Halbjahr verschwand er wieder, blieb aber ein Weilchen präsent, weil das Mädchentrio seiner gedachte. Ihm zu Ehren erfanden sie ein Wesen namens Hartmude. Mitten im Unterricht fiel plötzlich dieses Wort und ein Zeigefinger deutete gegen die Decke. Dort war nichts. Aber alle schauten hinauf und fragend oder zurechtweisend begrüßten wir das Deckenphantom: „Hartmude?“ „Hartmude!“ Am Ende des Schuljahres wurde das Trio gesprengt.
Ich war neunundzwanzig, Hartmut wäre einunddreißig gewesen, als ich einen Klassenkameraden traf, der in Hartmuts Nähe gewohnt hatte. Er erzählte, dass Hartmut, drei Jahre nachdem er die Schule hatte verlassen müssen, mit seinem roten NSU Prinz gegen einen Baum gekracht und zweiundzwanzigjährig verstorben sei. Zur Beerdigung seien nur er, der Klassenkamerad, und Hartmuts alter Vater erschienen, dem gänzlich unklar geblieben sei, was passiert war.
Hartmut war der erste Tote meiner Generation, den ich kenne.
Ahoi Hartmut! Das wollte ich doch geschrieben haben. Worte sind kein neues Leben, ich weiß. Doch mehr als Worte machen, kann ich nicht. Verzeih mir mögliche Fehldeutungen und den Blick ins Private. Mit Sicherheit wärest du der Käptn im Steamer geworden.

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Wegen Humboldt, und zwar Alexander von, im Naturkundemuseum

Als ich mit zehn Jahren von einer Kinderlandverschickung aus Franken nach Berlin zurückkehrte, war mein Sportbeutel, eigentlich bestimmt für Reiseproviant, randvoll mit Steinen und ordentlich schwer. Ich selbst hatte nicht zugenommen, wie beim abschließenden Wiegen vor Ort herausgekommen war. Während unseres Aufenthalts in Westdeutschland war die Mauer gebaut worden. Das beherrschende Thema bei der Ankunft war unsere geglückte Rückkehr auf die Insel. Nur meine Eltern machten eine Ausnahme. Ihr sorgenvolles Interesse galt allein dem Missverhältnis von superschwerem Sportbeutel zu meiner schmächtigen Gestalt. Als hätte ich die Steine von der ersten bis zur letzten Sekunde mit mir herumgetragen.

Ausgepackt hatten die Steine eines gemeinsam: Irgendwo waren Abdrücke oder Versteinerungen von Muscheln zu sehen, deren Winzigkeit in keinem Verhältnis zur Größe der Steine stand. Begeisterte Anteilnahme konnte ich nicht ernten.

In Berlin ließ sich diese Sammlung nicht erweitern. Ich schwenkte um auf handlichere Formate, die mir von Farbe und Form her gefielen. In der kleinen Wohnung erhielten die Fundstücke nicht Schauecke oder Kreativinsel, sie wanderten platzsparend hinten ins Bettfach der Snapcouch, dann in den Keller und sind schließlich verschwunden. Mit ihnen verschwand vorübergehend auch mein Interesse. Jahre später im Geröll am Malojapass erwachte es wieder. Aber wie war es überhaupt entstanden?

Einen kleinen Anstoß gab meine Großmutter. Sie hatte erzählt, dass Steine wachsen würden. Denn selbst wenn sie und die Geschwister die Steine nach dem Pflügen vom Feld gesammelt hätten, seien im Frühjahr immer wieder neue zu sehen gewesen. Der Frost treibt die nicht sichtbaren über den Winter nach oben, habe ich später gelesen. Sie lag also richtig. Ich denke immer an sie, wenn ich an gepflügten Feldern entlang spaziere. Aber damals, als sie aus der Kindheit in Westpreußen berichtete, war die Erwähnung des Steins noch kein Anschub für näheres Interesse. Es musste jemand hinzukommen, der kräftig mitschob. Ich hatte Glück.

Die kleine Wohnung befand sich nämlich in der Humboldtstraße, die offenbar beide Brüder zugleich ehrte, sodass mich Alexander vom Straßenschild herunter beeinflusst haben mochte. Eine andere Erklärung kann es gar nicht geben, denn selbst meine Mutter geriet als gelernte Putzmacherin unter humboldtschen Einfluss. In der blechernen Pralinenkiste, die sie zwanzig Jahre nach meinen ersten Funden auf den Tisch stellte, war nichts Süßes mehr, sondern Sand. Sandproben in beschrifteten Kaperngläschen aller besuchten Strände und Gewässer. Von dieser Sammlung hatte ich nie etwas gewusst. Sie zeigte die Gläser vor als sei es selbstverständlich, im Urlaub Sandproben zu nehmen. Die Blechkiste war mir das Wichtigste anlässlich der Wohnungsauflösung. Inzwischen weiß jeder, der mich kennt und verreist, was mitzubringen ist. Die Pralinenkiste ergänzt inzwischen ein Schuhkarton. Meine aktuelle Steinsammlung ist hingegen auf acht kleine Objekte geschrumpft, die unbeachtet auf dem Fensterbrett liegen. Seit Jahren gilt meine Aufmerksamkeit ausschließlich dem neunten. Der Stein liegt neben einer Lupe griffbereit auf dem Schreibtisch und kommt von weit her.

Im Spätsommer 2010 hatte ich mich einer Reisegruppe anschließen können, die, ausgehend von der Metropole Nanning, Ausflüge im Süden Chinas unternahm.

Der Rong-Fluss in der Provinz Guangxi führte Normalwasser, so dass wir problemlos die Dong-Minderheit auf einer Insel besuchen konnten. Am nächsten Morgen fuhren wir mit einer Barkasse flussaufwärts. Was Hochwasser bedeutet, war in zehn Metern Höhe an den linken Uferfelsen abzulesen, wo hängen gebliebener Abfall den höchsten Pegelstand markierte. Gegenüber stieg sacht ein breiter Geröllstreifen bis zur steilen Böschung an. In einer kleinen Bucht mit Steg stoppte die Barkasse, oben wartete ein Kleinbus. Fotografiert wurden rostige Förderbänder und Maschinen zur Steinzerkleinerung. Ich nahm eine Sandprobe, konnte dem offenbar unrentabel gewordenen Geröllfeld aber nicht widerstehen.

Man rief mich. Aber ich hatte noch nicht gefunden, was ich suchte, kniete immer wieder nieder, nahm einen Stein zur Hand und legte ihn wieder zurück an seinen Platz. Denn ich wollte meinen Rucksack nicht befüllen wie einst den Sportbeutel. Und dann sah ich ihn. Er war nicht eiförmig und hellgrau wie alle anderen, sondern lindgrün in Gestalt einer Schuhsohle – etwa Größe 42 – mit auffällig dichter, dunkelgrüner Oberflächenzeichnung, die sofort an Horst Janssen erinnerte. Auf Klopfen klang der Stein metallisch.

Der Geologiestudent, dem ich meinen Fund später zeigte, identifizierte ihn als Paragneis. Die Zeichnung ließ ihn nicht die Kunst Horst Janssens, sondern Jahrmillionen zurückliegende, drückende und schiebende Kräfte erkennen, da einige kräftige Linien, die er Fiederklüfte nannte, abbrechen und sich etwas versetzt fortsetzen. Aber auch dem Studenten gefiel, wie der am Rand abgerundete und an der Oberfläche mit sanften Wölbungen versehene flache Stein in der Hand lag. Für weitere Erkenntnisse sei er allerdings durchzusägen, sagte er. Dazu ist es natürlich nicht gekommen.

Schon in China und ohne Lupe wurden nach kurzem Hinsehen diverse Tier- und Menschengestalten sichtbar. Ich muss dazusagen, dass ich diese Ausschau nach Formen und Bildern in amorphen Strukturen von Terrazzofließen und Marmorsäulen schon immer trainiert habe. Später, unter der Lupe betrachtet, lösten sich die großen Formen auf in ein Heer von Kämpfern in langen Mänteln, teils Schwerter schwingend oder Fußtritte austeilend, wie sie in chinesischen Filmen herumwirbeln, wo die historischen Helden der Kampfkunst gefeiert werden. Auch ein verirrter Don Quixote hoch zu Ross ist zu erkennen. All das würde reichen, um zu erklären, woraus der Stein seine Sonderstellung bezieht. Doch vier Jahre später gab er nochmals ein Extra preis.

Er lag neben der Tastatur, ich sah in an und erkannte auf einen Blick das Gesicht Dostojewskis in Fünfmarkstückgröße. Wie ich den Stein seither auch drehe und kippe, Dostojewski habe ich niemals wieder entdecken können. Fabelhafte Tiere und gelenkige Figuren identifiziere ich bis heute immer wieder neu.

Ich bin auf dem Weg zum Museum für Naturkunde in der Invalidenstraße und denke nicht an Dostojewski, sondern an Wolfdietrich Schnurre. In seinem Bestseller lässt er den Vater, als dessen Bart noch rot war, dort als Tierpräparator arbeiten. Zwar gefällt mir das Buch, nicht aber Ausgestopftes. Ich ziehe die im Vergleich dazu quicklebendigen Steine vor.

Da ich nun das Naturkundemuseum betrete, ziemt es sich, nicht länger vom Stein, sondern vom Gestein zu sprechen.

Gestein ist ein Gemenge aus Mineralen und das Gemenge verschluckt ihre Schönheit. Wer bestaunt den Quarz im Bordstein aus Granit? Nur wenn sie genügend Raum zum Aufwuchs haben, können sich Minerale entfalten. Die freie Entscheidung für diese oder jene Daseinsform haben sie jedoch nicht. Die überwiegende Zahl muss die ihnen vorbestimmte Kristallstruktur ausbilden. Minerale zu finden, bedeutet, wie der Name schon sagt, durch Minen zu krauchen, Gebirge und Steinbrüche zu durchwandern oder bequem den Mineraliensaal das Museum für Naturkunde zu besuchen. Er befindet sich links der Saurierhalle und hat zwei Eingänge. Ich wähle den direkten von den Schließfächern her, um dem Tohuwabohu rund um die Saurier zu entgehen.

Der Saal macht den Eindruck als sei er seit einhundert Jahren unverändert. Zur Eröffnung des Museums, 1889 eingerichtet – da war Trotzki zehn; nur zur Orientierung -, ist er tatsächlich nahezu im Original erhalten. Nur die fünf Vitrinen im Mittelgang sind neu. In einer die Silicium-carbid-Kohlefaser-Verbundkeramik-Porsche-Bremsscheibe als Beleg dafür, wozu Minerale im Alltag taugen. In zwölf jeweils links und rechts quer zum Mittelgang platzierten hohen und flachen Vitrinen stehen und liegen die Exponate. Auf dem flachen Holzpodest ein gedrucktes Schildchen mit Bezeichnung und Herkunftsort. Gezeigt werden etwa zwanzig Prozent aller bislang entdeckten Minerale.

Gleich in der ersten Hochvitrine links des rückwärtigen Eingangs, obere Reihe, achtes Objekt, die wohl populärste Quarzvarietät: Eine plan geschliffene, blauviolette, etwa frühstückstellergroße Achatmandel aus Idar-Oberstein an der Nahe, dem deutschen Ende der Welt.

Alle Objekte in dieser Vitrine sehen seltsam matt aus. Der Achat ist wegen des oberen Vitrinenrahmens sogar zu zwei Dritteln verschattet. Das wäre ihm in der Heimat, im Edelsteinmuseum von Idar-Oberstein nicht passiert. Untergebracht in einer Gründerzeitvilla ist es eine funkelnde Schatztruhe. Kein Schliff, keine gewachsene Kristalltracht aber funkelt von selbst. Ob Punktstrahler oder Quarzlicht, in Idar-Oberstein erhält das Exponat jene Beleuchtung, die beste Wirkung garantiert. Im Mineraliensaal des Berliner Naturkundemuseums wird sozusagen demokratisch belichtet. Keinem Mineral ist eine Extrawurst Licht gebraten. Manches hat Glück und liegt günstig bestrahlt, das andere nicht. Man setzt auf das bloße Vorhandensein. Während es der Hunsrücker Achat im Museum seiner Heimat zum musterhaft exponierten Individuum gebracht hätte, ist er hier bescheidenes Mannschaftsmitglied. Die individuelle Leistung besteht womöglich darin, dass er es aus zweihunderttausend mineralischen Mitbewerbern im Magazin bis in den Schausaal geschafft hat. Habent sua fata lapides und zurück zu den Vitrinen.

Sich ihnen zu widmen, ist nicht immer einfach. Anders als ich, verfällt kaum jemand in stumme Betrachtung. Die Akustik ist fürchterlich. Was hinten links in der Ecke gesprochen wird, stört noch in der Ecke vorn rechts. Wo ist das Schild „Es herrscht Ruhe!“ aus wilhelminischer Zeit geblieben? Ist mir „Die stille Stunde der Museen“ bei verdoppelten Eintritt entgangen? Viele Besucher äußern laut ihre Enttäuschung, dass es hier nicht mit den Sauriern weitergeht. Andere bleiben und bald heißt, nein, hallt es: „Wir sind gleich durch!“ Wieder andere stellen fest: „Sieht aus wie Schimmel!“, was immer wieder dem Kristallrasen des Nickelsmaragds gilt. Ein Vater zeigt gebieterisch da und dort hin: „Hast Du den schon?“ Der Sohn darf heute die Superkamera bedienen. Die Vitrinen werden umkreist, Ländernamen aufgesagt, die Exponate gezählt. Dann bin ich Hindernis und muss zurücktreten. Einem Mädchen gelingt das Hochzählen bis in den dreistelligen Bereich. Ein Lob der Mutter bleibt nicht aus. „Tonnen Golds, Tonnen Golds, keiner sieht’s!“ schrieb Stefan George. Würde allerdings ein senkrecht von der Decke hängender Pfeil genau auf die zehn Gold enthaltenden Wirtssteine zeigen, könnte das den Aufenthalt vieler Besucher enorm verkürzen.

Aufgestellt wurde nach dem System von Strunz. Es ist mir unbekannt. Daher kann ich nicht feststellen, ob genau an dieser oder jener Stelle der Vitrine ein Mineral eventuell falsch eingeordnet ist. Spezialisierte Laien lüstern nach solchen Triumphen über die Fachwelt.

Der Geisterquarz steht in erster Reihe unter dem Vitrinenglas jedoch eindeutig an falscher Stelle. Man hat notgedrungen Aufsicht. Die Namensgebung erschließt sich jedoch nur bei frontaler Ansicht. Die kann man sich verschaffen. Aber ich sehe niemanden, der sich nach vorn zum schmalen Glasspalt, der die Frontseite der Vitrine oben abschließt, bücken würde, um die innerhalb des Bergkristalls herumgeisternden zwei weiteren zu erspähen.

Nicht allen gut tausend Ausstellungsstücken kann man gleiche Aufmerksamkeit entgegenbringen. Aber verweilen lässt es sich überall. Zum Goethit erscheint der Mann aus Weimar, der Cummingtonit wird verballhornt zum Comingtonite und bleibt unvergessen. Allerdings stammt der ausgestellte Vesuvian aus Kanada, der Orientit aus Kuba, der Jordanit aus der Schweiz, was wieder verwirrt, jedoch vom Zwieselit aus dem original bayrischen Zwiesel wettgemacht wird.

Minerale von geringer Größe oder besonderer Form bekommen in den Flachvitrinen zusätzlich zur Holzauflage kleine Postamente oder Glasschälchen spendiert. Andere werden von zierlichen Messingklammern gehalten. Diese Extras sind selten.

Leider ist keine geschlossene Sammlung zu sehen. Wie weit hat es jemanden in die Welt hinaus getrieben? Was hat ein anderer rund um den heimischen Schornstein entdeckt? Nicht beantwortbare Fragen, wenn kristallchemisch geordnet wird.

Da sind zum Beispiel die vierzehntausend Minerale des Sammlers Stephan Victor. Ein großes Ölbild zeigt ihn in k.u.k.-Harnisch und mit Säbel, das Mineral Stephanit ehrt ihn. Die Sammlung wäre in Berlin nie angelangt, hätte es nicht Herrn Carl Rumpff gegeben. Er posiert im Pelzmantel auf einem zweiten Ölbild daneben. Zwei Männer aus dem 19. Jahrhundert, als aufstrebender Kapitalismus und untergehender Feudalismus aufeinander trafen. Rumpff, verheiratet mit einer geborenen Bayer, beschloss sein Leben als Aufsichtsratsvorsitzender von Bayer. Erzherzog Stephan Victor von Österreich hingegen fiel bei Hof (u.a. Oberfranken) in Ungnade (oder vom Pferd). Dessen erzherzögliche Marotte, nämlich Minerale zu sammeln, verhalf Rumpff zu der größten privaten Mineraliensammlung Deutschlands. Im Jahr der Museumseröffnung verstorben, hatte er zuvor verfügt, dass die vom Erzherzog gesammelten und von ihm, Rumpff, erworbenen Minerale, dem Museum zu schenken seien. Von den vierzehntausend finde ich nur zwei: Den Klinchlor und den Babingtonit. Die Spurensuche ist anstrengend, aber interessant.

Auf den ersten Blick sichtbar sind nur die gedruckten Hinweise mit Bezeichnung und Fundort. Der Sammler wird dort nicht genannt. Man muss im Falle Rumpff Ausschau halten nach kleinen Etiketten aus der Zeit des Erwerbs, die den Mineralen direkt anhaften; geschrieben in Schönschrift mit Tinte in gerade noch lesbarer Größe mit Tendenz zum Mikrogramm, meist auch schon verfärbt. Bei nur wenigen der ausgestellten Stücke gibt die Präsentation dieses kalligraphische Meisterwerk zur Ansicht frei. Denn der Hinweis klebt in der Regel am Boden des Wirtsgesteins, der zur Lagefläche bestimmt ist, um den Anblick nicht zu stören. In diesen Fällen bin ich chancenlos. Ist keine plane Fläche vorhanden und der Zettel klebt irgendwo schräg unten, erhöhen sich die Chancen. Ist die Schräge allerdings zu flach, ist auch die Schrift nicht zu entziffern.

Zu meinem Glück hat man bei einigen Exponaten die frühere Lage radikal korrigiert. Sie stehen jetzt hochkant, wenn die Kristalle so besser zur Wirkung kommen.

Aber nicht jedes erspähte Etikett von alter Hand ist auch ein Treffer. Neben Rumpff gibt es noch andere, die um 1900 ihre Sammlung gestiftet haben. Nach langem Umherstreifen, vielem Bücken, vielem Kopfschiefhalten, zweiten und dritten Blicken, entdecke ich Klinchlor und Babingtonit mit dem anhaftenden Hinweis: „Coll. C. Rumpff 1889“ und bin begeistert. Als hätte ich die Stücke selbst aus finsterster Mine geborgen. Sehr wahrscheinlich, dass ich andere Objekte der Sammlung übersehen habe oder wegen der althergebrachten Lage das Etikett gar nicht erkennen konnte. Einige mögen 1945 auch auf Nimmerwiedersehen verschwunden sein, als der Saal geplündert wurde.

Zu erschöpft für eine weitere Runde, würde ich mich nun gern setzen. Anders als in der Saurierhalle, gibt es hier nur einen Stuhl; den des Wächters.

Ich verlasse den Saal wieder in Richtung der Schließfächer. Neben dem Ausgang grüßt lächelnd über mein eigenwilliges Umherstreifen, ein gipserner, jugendlich ausschauender Alexander von Humboldt aus der Vitrine. Ich grüße zurück, dankbar für die Zusammenarbeit mit meiner Großmutter, meiner Mutter und die naturkundliche Erweckung.

 

 

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Kühn, kühner, am feigesten

img_0871Am Vormittag, den 13. Juli 1970, sitzt ein achtzehn Jahre alter Oberschüler aus Westberlin in einem Zimmer des Bahnhofs Griebnitzsee. Das Besondere daran: Der Bahnhof liegt im DDR-Grenzgebiet und ist Kontrollpunkt für die Transitzüge von Westberlin nach Hamburg. Der Oberschüler, vom Bahnhof Zoo angereist, darf den Zug dort gar nicht verlassen. Er hatte jedoch etwas vergessen, von dessen Vorhandensein man sich immer viermal überzeugt hatte, bevor es transit ging: Den Ausweis. Nach der ergebnislosen Aufforderung „Zollkontrolle der DDR. Die Reisedokumente!“ verließ er unter scharfer Bedeckung Abteil und Zug in Richtung jenes Zimmers. Dort sitzt er eine Stunde allein, bevor sich ihm ein Uniformierter gegenübersetzt, der das Vergehen und die Gesetze der DDR vorträgt. Dann muss der Oberschüler seinen Reiseplan darlegen, der so ausschaut, dass er mit dem Klassenkameraden aus dem Abteil um 13.30 Uhr in Büchen den Zug verlassen wollte, um mit den Rädern aus dem Gepäckwagen eine Tour nach Dänemark zu starten. Daraufhin soll er beweisen, friedliebender Westberliner und kein feindliches Element, gar Republikflüchtling zu sein. Das heißt, er muss auf detaillierte Fragen zu Westberliner Örtlichkeiten die richtigen Antworten geben. Das gelingt ihm auch. Nur die letzte Frage kann er nicht beantworten. Er weiß zwar, dass im Wirtshaus Wuppke in der Schlüterstraße der Flipper nach Öffnen der Tür gleich rechts steht, kann aber nicht sagen, ab welcher erspielten Summe der Apparat ein Freispiel herausgibt.
Der Uniformierte geniest grinsend die leise aufkommende Panik und schwenkt vom Verhör um zur Plauderei, die er mit der Feststellung eröffnet, nichts gegen lange Haare zu haben. Der Oberschüler nennt auf Frage seinen Berufswunsch und bekommt die Vorteile des DDR-Bildungssystems erläutert. Nach einer Fragerunde zu Details der besuchten Oberschule, wird er schließlich eingeladen, beim nächsten Besuch der Hauptstadt der DDR doch unverbindlich im Haus des Lehrers vorbeizuschauen. Mit einem Gegenzug darf er zurück nach Westberlin reisen und einen zweiten Versuch unternehmen.
Ich war also allein weitergefahren und hatte mich mangels Gesprächspartner den Parolen entlang der Bahnstrecke gewidmet. Neben immer wiederkehrenden Hinweisen, dass im Bunde mit der Sowjetunion nichts schiefgehen könne, fielen mir zwei äußerst eigenwillige Spruchbänder auf. Dem Inhalt des ersten „Die DDR. Ein Staat der Jugend, modern, stark und schön!“ widersprach der Blick nach draußen. Erst als zwanzig Jahre später westdeutscher Beton Einzug hielt, wurde, was modern, stark und schön hätte sein sollen, immerhin als charmant gedeutet. Die zweite Parole „DDR. Kraftquell der Nation!“ blieb so lange rätselhaft, bis sie im neuen Jahrtausend zur personifizierten Wahrheit wurde.
Auf dem Bahnhof Büchen lud ich die Fahrräder aus und erklärte den westdeutschen Zöllnern, warum ich mit gleich zweien einsam auf dem Bahnsteig stand. Sie machten mir Mut. Alles käme wieder in Ordnung. Der Hokuspokus, den die da drüben veranstalten würden, dauere zwar, aber der nächste Zug aus Berlin käme sowieso erst in knapp sieben Stunden.
Pünktlich um 20.14 Uhr rollte er ein und der einzige Reisende, der ausstieg, war tatsächlich mein Klassenkamerad. Es wurde dunkel, als wir uns auf die Räder setzten. Über Mölln erreichten wir nach Mitternacht Ratzeburg.
Es war Regattawoche. An von Haus zu Haus gespannten Leinen hingen die Flaggen der beteiligten Nationen. Wir holten zwei herunter. Der Kumpan wählte sofort die deutsche, ich die finnische. Finnland war meine heimliche Liebe, weil das Land, wie ich meinte, meinem Charakter am ehesten entsprach; stumme, stille Weite, wo Schweigen nicht Maulfaulheit, sondern Tugend ist.
Die Jugendherberge war natürlich geschlossen. In der einzigen noch geöffneten Gaststätte wurde fleißig gewürfelt. Wir tranken Für die Seele und die Kehle jeder ein Astra-Pils und fragten die Wirtin nach Sicherheitsnadeln. Sie gab uns eine handvoll, wir zählten acht heraus, für jeden vier. Wegen des 60×40-Formats ließen sich die geklauten Fahnen nur senkrecht hinten auf den Parkas befestigen. Wir saßen auf. Es ging Richtung Lübeck. Im frühen Berufsverkehr wurden wir häufig angehupt. Da uns oft zwanzig, dreißig Meter trennten, war bald klar, dass die Huperei ausschließlich Schwarz-Rot-Gold galt. Ergänzend wurde meinem Kumpan der Vogel gezeigt. Er genoss es und grüßte mit erhobener Arbeiterfaust zurück. Mir kam der Verdacht, dass bereits der fehlende Ausweis eine absichtliche Provokation gewesen sein könnte. Ich aber, das blaue Kreuz senkrecht auf dem Rücken, galt offenbar als christlicher Radler auf Pilgerfahrt und war keine Reaktion wert. Als wir uns am Nachmittag vor der Lübecker Jugendherberge anstellten, hatten wir fast anderthalb Tage nicht geschlafen.
Der Herbergsvater, Schrot und Korn-, nicht etwa Lübecker Marzipanbrot-Typ, lief rot an, als wir an der Reihe waren. Statt uns in seine Liste einzutragen, ließ er den Kugelschreiber sinken, holte einmal tief Luft und schrie: „Fahnenschändung! Raus!“
FAZ, 15. Dezember 2016: „Um zu provozieren, braucht es heute kaum mehr als eine Deutschlandfahne. Das denken auch…“
… auch zwei Herrenmodeblogger. Das Berufsbild ist mir unbekannt. Aber Herrenmodeblogger scheinen auch zu nähen oder jemanden zu kennen, der nähen kann. Denn den Link zu den Herrenmodebloggern angeklickt, war auf allerhand sportivem Textil die Deutschlandfahne zu sehen. Darin mittig der Adler kopfüber. Bückling vor dem Milieu, in dem sich Herrenmodeblogger offenbar bewegen und das nicht weniger aggressiv gepolt ist als das der Herbergsväter 1970, nur eben andersherum. Daher sicherheitshalber noch beim Sozichef untergekrochen mit der Benennung des Sortiments als Deutschland Pack.
Ich war drauf und dran, mich um die Telefonnummer des wahrhaft kühnen Provos von damals zu kümmern.

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Unsere Freundin, die Weihnachtsgans

Tagesspiegel vom 12. Dezember 2016:

„Seit Jahrhunderten bedeutet der Gänsebraten ein Martyrium…“

Stopp! Der Tagesspiegel wird mir verraten wie ich den weißen Vogel, ohne ihm das tradierte Martyrium zu bereiten, vom Leben zum Tode befördere. Endlich! Ich erwarte, dass mir Art und Marke der besten Messer genannt werden, dann ein Organ, in das es beherzt zu stechen gilt. Dazu werden sicher allerneueste Erfahrungen aus den Drei-Vier-Fünf-Sterne-Küchen der Hauptstadt vorliegen. Oder ist es eleganter zu strangulieren, zeitgemäßer zu tasern, schicker zu vergasen? Zu all dem erfahre ich nichts. Denn der Satz endet so:

„… für den, der ihn zubreiten muss.“

 

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Magic Anaximander

Martin A. Ciesielskis Start mit fernöstlicher Tiefenatmung und dem Herausschreien der angesammelten Energie wirkte im Rahmen eines Creative Mornings der Medienbranche kurios, ließ an sündhaft teure Seminare denken, in denen bornierte Manager aufgeweckt und zum Zuhören animiert werden müssen. Den Schrei beantwortete ein Hund prompt mit herzlichem Bellen. Es konnte losgehen im hübsch betonierten Keller des Generator Hostels.
Das Motto des Tages hieß magic. Nicht immer findet man in den Vorträgen des CM das Motto wieder, heute in jedem Satz. Denn alles um uns herum ist magisch. Ob Smartphones, Containerschiffe, Harry Potter, Steve Jobs, Geldscheine, die Beziehungen der Dinge und Personen zueinander. Das mag beruhigen, wenn der Durchblick abhanden gekommen ist und die, die darauf Wert legen, dass das so ist, werden sich darüber freuen.
Die Welt gerade umgekehrt als nicht magisch zu begreifen, gilt gemeinhin als großer Kulturfortschritt, der mit dem Namen Anaximander und seinem ersten Satz der abendländischen Philosophie verbunden wird. Den Mann und seinen Satz muss niemand kennen, trotzdem leben wir mit den Folgen. Und es schien am Ende, dass das Publikum sich vom Gegenteil nicht hat überzeugen lassen, so unterhaltsam und gekonnt der Vortrag dieses Wochenende auch einläutete.

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Doof und dick

Lektüre: Witzel, Die Erfindung der… usw.
Lektüre so verstanden, dass ich das Buch zehnmal auf- und wieder zuschlug und nie mehr zur Hand nehmen werde. Und keiner soll mir erzählen, er hätte die 817 Seiten gelesen. Mir hatte das Buch ein Freund nach einem Viertel bewältigter Textmenge übergeben, was ich als hartnäckige Leseleistung bewundern muss.
Dennoch lag die sechste Auflage auf dem Tisch. Mittlerweile gibt es eine siebente, ein Hörbuch, ein E-Book und ein Taschenbuch. Warum?
Rezensenten und Geschenkbuchkunden bevorzugen den kurzen Blick. Der Autor und seine Helfer haben daher drei Leimruten an günstigen Stellen ausgelegt: Im vollständigen Titel erscheint die RAF, zu Beginn des Textes ein Adorno-Zitat, zum Abschluss eine Strophe Pop. Dazwischen dick Text. Das reicht für Auflage.
Den Ton gibt die Rock & Pop-Bagage an, die einem eigentlich die Zeit beim Autowaschen oder Kartoffelschälen verkürzen sollte, hier aber als Würze ermüdender Reflexionen dient. In Dialogen fallen Namen aus den Geisteswissenschaften, weil hinten ein Register prominent befüllt werden muss. Mehr Detektivarbeit würde Lesen erfordern. Aber nicht von mir.
Ich höre den Nachbarn die Treppe heraufsteigen, eile zu Tür, zeige das Buch, er will es nicht, er hat es schon. Noch ein Abbruchleser. Der Moment ist gekommen, des Baumes zu gedenken, der für Papier gefallen ist. Amen.

 

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Im Jarten

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Große Freude bringt der Garten
würden vor der Städte Mauern
nicht noch andre Gäste warten
und auf fette Beute lauern.

Der Blattsalat ist erstes Ziel,
nicht Baum, auch nicht die Hecke,
sie fressen oft, sie fressen viel,
der Gartenfeind heißt: Nackte Schnecke.

Branntkalk, Asche Sägermehl,
Kaffeesatz aus fairem Handel,
alles umsonst, alles schlägt fehl,
der Kampf braucht radikalen Wandel.

Der Gärtner wohnt in bester Lage,
sah früher Vopos, Mauerbau,
bedenkt erneut die Gartenplage,
sagt plötzlich: „Logisch, ganz genau!“

Der Schutzwall, Ulbrichts Konzeption!
Natürlich kleiner, schöner besser,
nicht gegen NATO-Aggression,
sondern nackte Gemüsefresser.

Scharfkantiges Schneckenblech: der Schneckenzaun,
handhoch, mit Biegung oben, dann noch um die Ecke,
umschließt komplett den Gartenraum,
hier scheitert selbst die Superschnecke.

Das Frühjahr kommt, die Pflanzen sprießen,
es steht aus Aluzink die Wehr.
Der Gärtner will Erfolg genießen.
Doch, huch! Es kommen keine Schnecken mehr!

Hat sich der Bau herumgesprochen,
wird woanders konsumiert?
Sind sie zum Nachbarn hingekrochen,
wer hat hier wen frustriert?

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Weiter mit ehrwürdigen Werken

 

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Heute: Das älteste.

Kythera, Tod des Peliden, Danaergeschenk
kommen in der Ilias gar nicht vor!
Erst die Schwabsche Dehnung schafft
vor und hinterm Homerischen Epos
Raum für Helenas Seitenwechsel,
Ferse und Pferd.

Auch für Ajaxens Ende.
Ajax ist nicht der Hund des Odysseus.
Der heißt Argos und tritt in Epos 2,
Odyssee genannt, auf. Ajax vielmehr ist
der erste suizidale Amokläufer
der abendländischen Geschichte.

(HOPPLA! Mit dem wäre ja zu punkten, wenn ho, ho, hoffentlich die Öffentlich Rechtlichen nach dem nächsten PÄNG! wieder ins Studio bitten.)

 

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