Konter

Am  4.10.2018  erschien auf der Homepage des Senders eine Nachlese zweier Lifereportagen. Diese betrafen Fußballspiele, die nicht stattgefunden haben. An den Mikrophonen agierten die sich Fahrensmann und DJ Knopfleiste nennenden Reporter dieses Senders. Die Nachlese verfasste der Fahrensmann.
Da den Sender von maßgebenden gesellschaftlichen Kräften heftige Kritik erreichte, sieht er sich zu einer Stellungnahme gezwungen.
Der Sender, einschließlich seiner Sportredaktion, distanziert sich von dieser auf der Homepage des Senders erschienenen Nachlese, bedauert seine Veröffentlichung und wird gegenwirkende Maßnahmen ergreifen.
Inhaltlich erlaubt sich der Sender zunächst folgende Anmerkungen:

a) Das zu Beginn der Nachlese erwähnte Feature aus dem spanischen Sprachraum existiert als Rohmaterial, ist aber nie gesendet worden. Als Autor ist jener DJ Knopfleiste bekannt, der aus der Featureabteilung in die Sportabteilung wechselte. Der Inhalt ist auf privatem Weg dem Fahrensmann zugänglich gemacht worden, der das Feature dann entstellt wiedergegeben hat. Auslandskorrespondenten des Senders haben den Fall recherchiert und sind zu folgendem Ergebnissen gelangt:
In der Nachlese wird der Eindruck erweckt, dass Miguel dos Santos und seine Frau Olivia dos Santos Zuschüsse des Auswärtigen Amtes für ein kleines Projekt zur Popularisierung der Geburtenkontrolle veruntreuen und es für Küchengeräte ausgeben. Gründliche Recherchen ergaben, dass Miguel dos Santos als ehrenamtlicher Linienrichter im örtlichen Fußballverein tätig ist. Drei seiner Söhne sind im gleichen Verein fußballerisch aktiv und Frau dos Santos wäscht die kompletten Trikotsätze der Teams ihrer Söhne in der Miele. Ja, mag auch die Miele mit deutschem Geld finanziert sein. Tut es dem Ziel, Gedanken der Geburtenkontrolle zu verbreiten, tatsächlich Abbruch? Kann Miguel dos Santos seinen Kindern, wenn sie einmal groß sind, nicht erklären: Schaut, das alles hätten wir uns ohne das deutsche Geld niemals leisten können, weil wir zu viele sind. Nehmt das mit als Lebenserfahrung und gründet überschaubare Familien. Wird er das nicht sagen und damit dem Auftrag des AA, der Geburtenkontrolle Gehör zu verschaffen, nicht gerecht? Hier den Gedanken einer Veruntreuung deutschen Steuergeldes zu unterstellen, hält der Sender für diskriminierend und rassistisch. Der Sender hat als Zeichen der Wiedergutmachung bereits einen auf deutschen Patenten fußenden Eierkocher aus südkoreanischer Produktion überbringen lassen. Er ist sich gleichzeitig bewusst, dass zur Behebung des Rufschadens, den Familie dos Santos erlitten hat, weitere Anstrengungen nötig sind.

b) Zum Heimspiel des SC Freiburg, das nicht stattfand, erschien die komplette Verbandsspitze. Der Präsident, zwei Vizepräsidenten, vier Vorstände, fünf Beigeordnete. Da dieser gesellschaftlichen Rangfolge gemäß auch die Logensessel gestellt waren, ergab sich optisch ein Keil. DJ Knopfleiste verunglimpfte diese Sitzordnung als 5-4-2-1-System und sprach fortan vom Systemkeil. Ein Blick zurück in die deutsche Geschichte beweist, was der Verspottung einer Ordnung als System (Stichwort: Weimar) folgte. Der Sender duldet keine neokonservativ-populistischen Tendenzen.

c) Der Sender verwahrt sich gegen jede sexistische Berichterstattung. DJ Knopfleiste hat jedoch mit dem Herausspringen sogenannter junger Mädels aus einem Heli und ihrem anschließend vorgeführtem Maulwurftanz im Anstoßkreis, sexistische Vorstellung zu erwecken vermocht.

d) Der Sender tritt offensiv für das im Artikel 20a GG formulierte Tierwohl ein. Dies gilt selbstverständlich auch für polizeilich geführte Diensthunde. DJ Knopfleiste macht den Diensthund jedoch lächerlich, indem er ihn als ein Tier mit Schlappohren benennt. Hier wird indirekt auf die Minderwertigkeit von Hunden mit Schlappohren verwiesen. Der Sender bedauert diese Entgleisung zutiefst.

e) Der Fahrensmann beschreibt die Arme der Fußballspieler als bemalt. Er meint Tätowierungen, welche die Südseeinsulaner so interessant aussehen ließen, wie Käptn Cook zu berichten wusste. Es handelt sich also um ein künstlerisches Erbe der Menschheit. Wo die Geringschätzung fremder Kunst vom Standpunkt einer wie immer definierten sogenannten Hochkultur beginnt, endet sie im Kulturchauvinismus, dem der Sender entschieden entgegentritt.

f) In offenem Rassismus verfällt DJ Fahrensmann, wenn er die Zuhörer in Übersee als unter Palmen in Hängematten liegend, das Radio auf dem Bauch charakterisiert. Dem Sender ist bewusst, dass man sich auch anderswo gesittet um einen Tisch zu setzen weiß, um Radio zu hören. Der Sender entschuldigt sich für die Denunziation bei allen Bewohnern auf mit Palmen bewachsenen Landstrichen und weist die rassistisch-kolonialistischen Äußerungen des Fahrensmanns scharf zurück.

g) Auf dem Rasen des Schwarzwald-Stadions emsig beschäftigte Pfadfinder lässt DJ Knopfleiste an Feuersteinen herummurksen. Nun ist allgemein bekannt, dass Herummurksen nicht Sache von Pfadfindern ist. Spurenlesen, die Orientierung behalten im Dunkeln, Zeltaufbau in nullkommanix und Kartoffeln in der Glut eines Lagerfeuers gehören zu ihren Wesensmerkmalen. Die Niedertracht eines DJ Knopfleiste hat im Sender keinen Platz. Er positioniert sich nachdrücklich an der Seite der Pfadfinder.

Der Sender muss leider feststellen, dass sich eine Anwältin gefunden hat, die gewisse Rechte von Fahrensmann und DJ Knopfleiste zu erstreiten sucht. Rechtsanwältin Feuerzange und ihre Methoden sind dem Sender wohl bekannt, schaltet ihre Kanzlei doch regelmäßig Rundfunkwerbung mit dem Slogan „Ich hole ihre Kohlen aus dem Feuer.“ Die Rechtsabteilung des Senders prüft, RA Feuerzange in die Liste derer aufzunehmen, denen Rundfunkwerbung zu versagen ist. Zu den Einlassungen des Senders (a – g) hat RA Feuerzange für ihre Mandanten den Rechtsweg beschritten. Obwohl auszuschließen ist, dass Gerichte zu anderen inhaltlichen Bewertungen kommen werden als der Sender, wird der Sender freiwillig ein Symposion aus Politologen und Historikern einberufen, um sich seine Sicht der Dinge wissenschaftlich untermauern zu lassen.

Nach Einsichtnahme der Personalakte DJ Knopfleistes stellte sich heraus, dass dieser keine journalistische Ausbildung genossen hat. Er ist gelernter Raumausstatter. Doch genau dies veranlasste die Sportredaktion, ihn auf Druck der Abteilung Fußball in die Reportergruppe aufzunehmen. Der Sender hält das für skandalös. Trotz semantischer Überschneidungen zum Vokabular des Fußballs wie: Räume nutzen, Raum eng machen, die Tiefe des Raums, hat insbesondere die Abteilung Fußball ihrer Sorgfaltspflicht nicht genügt. Der Sender muss sich hier selbstkritisch die Frage stellen, ob das Compliancemanagementsystems in großen Teilen versagt hat. Richtlinien und freiwillige Kodizes wurden umgangen. Die Mitarbeiter, insbesondere die der Sportredaktion, sind gehalten, sich deutlich zur Compliancekultur zu bekennen und die Erwartung zu äußern, an ihrer Einhaltung mitzuwirken. Ist dies nicht erkennbar, sieht sich der Sender gezwungen, etwaige Bußgelder oder Abschöpfung von angelaufenen GEZ-Beiträgen den Mitgliedern der Sportredaktion in Rechnung zu stellen. Der Sender hofft jedoch, durch eine mutige und offensive Herangehensweise, Sanktionen abwenden zu können. Er erwägt als einen ersten Schritt, sein Compliancemanagementsystem vorfristig durch einen unabhängigen Dritten anhand des Standards TR CMS 101:2011 neu zertifizieren zu lassen.

Ein Sender sendet. Diese sehr einfache Tatsache begründet seine Außenwirkung. Nahm der Sender bis jetzt an, dass Hörer von Fußballreportagen und Leser der Homepage, sich mit den Werten des Senders und mit denen der Zivilgesellschaft identifizieren, muss er nun eingestehen, dass ihn herrliche Quoten und üppige Reichweiten im Sportfunk offenbar blind gemacht haben. Die oben (a – g) festgestellten Verstöße sind der Zuhörer- und Leserschaft keineswegs negativ aufgefallen, sind keineswegs entschieden zurückgewiesen worden. Im Gegenteil. Sie wurden hingenommen, stießen auf Zustimmung, wurden gar als unterhaltsam empfunden. Als durchaus repräsentativ können folgenden Kommentare gelten:

– „Stichwort: Schlappohren. Habe gleich an Klaus „Schlappi“ Schlappner von Waldhof Mannheim denken müssen.“
– „Schlapp gelacht. Bitte nur noch Spiele, die nicht stattfinden.“
– „Wohnt Familie dos Santos in Santos, wo Pele gespielt hat?“
– „Perfekt – ein Wirbel kurioser Ideen.“
– „Im Feldhandball gibt es kein Mittelfeldspiel. Darauf können wir im Fußball noch lange warten. Also auf allen Plätzen dritte, vierte, fünfte Tore aufstellen. Aber subito!“
– „Einfach herzerfrischend bis zum Schluss.“
– „Danke für die Erwähnung von „Kurre“ Hamrin. Ich bin Schwede.“
– „Mal was wegen Spielern aus Spanien und Südamerika, die katholisch sind und Tätowierungen haben: „Geätzte Schrift sollt ihr an euch nicht machen. Ich bin der Herr.“ (3. Mose 19,28). Müsste bei denen tatsächlich angemalt und nicht tätowiert sein und beim Duschen wieder verschwinden. Präzise beobachtet. Danke, Fahrensmann.“
– „Ich stand auch schon 84 Kilometer von der nächsten Ladesäule entfernt im Dustern.“
– „Wo kann man den Maulwurfstanz sehen?“
– „Klaus Fichtel war übrigens der letzte Bergarbeiter unter den Profis.“
– „Habe schon zwischen Palmen in der Hängematte gelegen und Radio gehört. Chillen brutal!“

Nach Analyse aller Zuschriften ergaben sich wider Erwarten keine Cluster im ländlichen Osten. Vielmehr findet sich das, was sich bedauerlicherweise mit Goutieren am besten fassen lässt, in München („Perfekt – Ein Wirbel.“) und in Frankfurt am Main („Herzerfrischend bis zum Schluss.“)
Die Hörerschaft hat sich offenbar von den ethisch-moralischen Vorgaben des Senders lösen können und praktiziert ein Hören in eigener Regie. Dieser Besorgnis erregenden Entwicklung tritt der Sender zuallererst technisch entgegen (in leichter Sprache):

„Zusammen mit einer Firma entwickelt der Sender einen Rundfunkapparat. Die Firma ist in Südkorea. Nordkorea ist das Land von dem mit der Frisur. Der Apparat hat bloß einen Sender auf Empfang. Der Drehknopf geht nur für laut und leise. Das Innenleben ist fest verkapselt. Kein Durchkommen. Das Gehäuse ist hübsch. Der Prototyp P 3000 sieht ungefähr aus wie ein Fußball. Die Augen hören mit, wie man sagt. Der Empfang von den Fußballreportagen geht nur über dieses Gerät. Vorher müssen drei Stunden Programm gehört werden. Darum versteht der Hörer besser, was der Sender außer Fußball sonst noch will. Die drei Stunden kann man am Stück hören oder in Häppchen. Aber mindesten fünfzehn Minuten auf einmal. Wenn nicht, schaltet sich das Gerät aus. Der P 3000 fasst dann vierundzwanzig Stunden keinen Strom mehr. Er kann nicht im Radioladen gekauft werden, auch nicht im MediaMarkt. Wegen, weil ihn keiner kaufen würde. Von dem her Versand durch den Sender mit Pflichtabnahme. Das erklärt der DHL-Bote an der Haustür. Am Anfang erstmal rund um den Sender, sonst nirgends. Kosten schätzungsweise ein Fuffi und ein Zwanni, macht siebzig. Werden gleich mit den GEZ-Gebühren sauber abgebucht.“

Der Sender unterwirft sich auf eigene Kosten einer Begleitung des Pilotprojekts P 3000 durch eine lose Runde aus Medienwissenschaftlern. Ohne der losen Runde zuvorkommen zu wollen, stellt der Sender fest, mit dem P 3000 einen praktikablen Weg beschritten zu haben, um die Hörerschaft vor selektivem Radiokonsum zu schützen und rückwärtsgewandte Denkmuster aufzubrechen.

Weitaus schwieriger gestaltetet sich ein paralleles Vorgehen im Internet, das derzeit zum Eldorado des Vermeidens, Umgehens Ausblendens werthaltiger, die Mitte der Gesellschaftlich stützender Inhalte geworden ist. Diese Einschätzung teilt der Sender mit den führenden Medienhäusern der Republik. Hier kann es nur eine gemeinsam zu erarbeitende, langfristige Lösung geben.
Umso dankbarer ist der Sender den maßgebenden gesellschaftlichen Kräften dafür, den Skandal um die Nachlese des Fahrensmanns aufgedeckt zu haben, sodass zumindest punktuell reagiert werden konnte. Anders hätten sich womöglich strukturelle Fehlentwicklungen im Hause und die fatale Außenwirkung weiter verfestigen können.
Sich nun bequem zurückzulehnen, kann jedoch nicht Sache des Senders sein. Vielmehr nutzt er den demokratischen Input der maßgebenden gesellschaftlichen Kräfte. Er wird Verstößen gegen den Grundkonsens einer demokratischen Gesellschaft auch an anderen Orten des Vollprogramms nachzuspüren. Nämlich dort, wo sie nicht vermutet und daher auch nicht sofort erkannt werden. Neben dem Sportfunk ist hier an die Stunden der sogenannten Losen Zungen gedacht, das heißt an nächtliche Sendungen, die Beat, Blues, Gospel etc. pp. sich zum Thema gemacht haben.

Selbstverständlich werden sich DJ Knopfleiste und der Fahrensmann mit vollen Klarnamen auf einer Veranstaltung vor der großen Kontrollkommission des Senders, erweitert durch Abgesandte maßgebender gesellschaftlicher Kräfte, zu verantworten haben. Bis dahin hätten sie von ihren Aufgaben im Sender entbunden werden sollen. RA Feuerzange erstritt vor Gericht jedoch eine vorläufige Weiterbeschäftigung als Rundfunkreporter in den vierten Ligen bei vollen Bezügen. Da dem Sender Transparenz kein leeres Wort ist, handelt es sich bei besagter Veranstaltung um eine öffentliche in der Essener Grugahalle. Die Veranstaltung wird direkt im Radio übertragen. Um zu vermeiden, dass DJ Knopfleiste und der Fahrensmann die Gelegenheit nutzen und ihre Vorstellungen ausbreiten, ist ihre Antwortzeit zu Fragen der großen, erweiterten Kontrollkommission jeweils auf anderthalb Minuten begrenzt. Auf Anordnung der Gleichstellungsbeauftragten des Senders sind im Zuschauerraum ausschließlich Frauen zugelassen. Ein buntes Rahmenprogramm sorgt für kurzweilige Unterhaltung. Der Eintritt ist frei. Die Einlassberechtigung kann über die Homepage der Gleichstellungsbeauftragten zu gegebener Zeit beantragt werden.
Ein genauer Termin kann derzeit nicht genannt werden, da sich eine Überschneidung mit der Verleihung des Deutschen Radiopreises in Hamburg durch das Grimme-Institut abzeichnet. In der Kategorie Reportage sind der Fahrensmanns und DJ Knopfleiste als Duo nominiert. Der Sender nimmt mit Bestürzung zur Kenntnis, wie tief die Gräben innerhalb dieser Gesellschaft inzwischen ausgehoben sind. Er wird die Nominierungskommission mit einem offenen Brief samt fünfhundert Erstunterzeichnern konfrontieren.

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Eine Antwort zu Konter

  1. Harald Schwarz schreibt:

    Ja, PC versaut einem nun auch noch das letzte bisschen Freiheit. RA Feuerzange ist da meine letzte Hoffnung!

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