Doof und dick

Lektüre: Witzel, Die Erfindung der… usw.
Lektüre so verstanden, dass ich das Buch zehnmal auf- und wieder zuschlug und nie mehr zur Hand nehmen werde. Und keiner soll mir erzählen, er hätte die 817 Seiten gelesen. Mir hatte das Buch ein Freund nach einem Viertel bewältigter Textmenge übergeben, was ich als hartnäckige Leseleistung bewundern muss.
Dennoch lag die sechste Auflage auf dem Tisch. Mittlerweile gibt es eine siebente, ein Hörbuch, ein E-Book und ein Taschenbuch. Warum?
Rezensenten und Geschenkbuchkunden bevorzugen den kurzen Blick. Der Autor und seine Helfer haben daher drei Leimruten an günstigen Stellen ausgelegt: Im vollständigen Titel erscheint die RAF, zu Beginn des Textes ein Adorno-Zitat, zum Abschluss eine Strophe Pop. Dazwischen dick Text. Das reicht für Auflage.
Den Ton gibt die Rock & Pop-Bagage an, die einem eigentlich die Zeit beim Autowaschen oder Kartoffelschälen verkürzen sollte, hier aber als Würze ermüdender Reflexionen dient. In Dialogen fallen Namen aus den Geisteswissenschaften, weil hinten ein Register prominent befüllt werden muss. Mehr Detektivarbeit würde Lesen erfordern. Aber nicht von mir.
Ich höre den Nachbarn die Treppe heraufsteigen, eile zu Tür, zeige das Buch, er will es nicht, er hat es schon. Noch ein Abbruchleser. Der Moment ist gekommen, des Baumes zu gedenken, der für Papier gefallen ist. Amen.

 

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