Chinesisch-Deutsch

Gestern beim Training. Ich esse den Pausenapfel. Lilo, der vor kurzem neu hinzugekommenen Chinesin, hat jemand während meiner Abwesenheit am Freitag erzählt, dass sich mit mir über Literatur plaudern lasse. Sie deutet das kurz an und erzählt von einem Vortrag Herta Müllers in der Urania. Es ging ums poetische Handwerk. Müller habe erzählt, dass sie Worte aus Zeitungen ausschneide, wenn sie Lust habe, in die Wortekiste greife und dann ginge das Dichten los. Ich bezweifle das; wahrscheinlich zu Unrecht. Selbstverständlich kann ein Wort inspirierend wirken. Ich habe allerdings den willkürlichen Griff in einen gut gefüllten Umzugskarton vor Augen. Sonderlich beschäftigt mich die Arbeitsweise von Frau Müller nicht, vielmehr die Art wie Lilo Worte, nach denen sie sucht und nicht findet, mit einem Schwall anderer Worte umschreiben kann. Ich denke, so wollte ich Chinesisch sprechen können. Bemerkenswert auch, dass sie aus dem r, wenn es nicht zu verhindern ist, tatsächlich ein deutliches l macht. So lässt sich Müller mit Mülla umschiffen, aber aus Herta wird doch fast eine Helga und aus der Urania ein Ulane. Eine andere, heute abwesende Chinesin füttert die deutsche Witzmaschine hingegen gar nicht.

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