21. August 2015

Zusammenkunft einer kleinen Sportgruppe und ihrer Sympathisanten in einem Garten unter hohen Bäumen am Abend zum Essen und Trinken.

Der Übungsleiter sagt:
Die Physiotherapeutin sagt:
Die Steuerfachgehilfin sagt.
Die BWL-Studentin sagt:
Der BWLer sagt:
Der Koch sagt:
Die Sozialarbeiterin sagt:
Die Modedesignerin sagt:
Der IG-Metaller sagt:
Die Installateurin sagt:
Der Taxifahrer sagt:
Die Dazugekommene sagt:

Ich sage vorerst nichts. Denn in meiner halb leer getrunkenen Bierflasche steckte eine Wespe, als ich zum zweiten Schluck ansetzte. Da ich aber nicht die Angewohnheit habe, das Bier in den offenen Mund gluckern zu lassen, sondern ansetze und es durch die fast geschlossenen Lippen läuft, glitt die Wespe nicht in den Mund. Sie stach in die Unterlippe. Nach kurzer Einschätzung der Lage begegnete ich dem Angriff mit innerer Kühle, nicht mit herbeigerufenem Eis. Das entspricht in etwa meinem Wesen, ist aber auch Resultat des sonst hier im Garten regelmäßig trainierten Sports. Denn der Übungsleiter macht nicht das kalifornische Frisbywerfen vor, sondern das chinesische Taijiquan. Dessen Grundlage ist ein steter Energiefluss und die plötzliche Versammlung aller Energie zum gegebenen Zeitpunkt, das heißt bei Angriff und Abwehr.
Vor dem Abendessen begann eine kurze Gymnastik für all diejenigen, die nicht mit der Essenszubereitung beschäftigt waren. Ich schloss mich dem Kreis an. Beim Drehen des Kopfes bemerkte ich, wie das Wespengift nach unten in den Kiefer zog. Der Schmerz war deutlich, ließ aber auch deutlich nach. Niemand starrte mich jetzt oder später an und fragte, woher ich diese Schwellung im Gesicht bekommen hätte. Ich habe keine. Ruhe bewahren und keinen Sturm entfachen.
Als wegen der Wespen am Tisch alle um sich schlugen, sagte der BWLer – um endlich jemanden aus der Liste zu Wort kommen zu lassen -, dass seiner Freundin, der BWL-Studentin, ein Mückenstich reiche, um eine wahre Beule zu bekommen. Einen Wespenstich mochte er sich bei ihr gar nicht vorstellen. Dem Freund zustimmend, schüttelte sie sich vor Abscheu.
Jetzt ist es dunkel und die Wespen sind verschwunden. Leider ist es auch das Signal für die Hälfte der Teilnehmer, sich zu verabschieden. Dafür mehr und mehr Fledermäuse in lautloser Eleganz.

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