KikeriKiez 02/2015

Bodenlos fadenscheinig!

KikeriKiez

Das Treiber- und Getriebenen-Magazin

Nr.2, Jan. 15
GASTRO

Black Jim

Wir besuchen das Black Jim, nur fünfhundert Meter von der KikeriKiez-Redaktion entfernt. Wir sind vor Ladenöffnung um 19 Uhr verabredet und klopfen. Eike statt Maike, die Fieber hat, (an dieser Stelle: Gute Besserung M.) vergibt sofort einen dicken Minuspunkt. Kein Fahrradständer!
Jim zieht die Türjalousie hoch und wir betreten das Black Jim. Er schaltet das Licht an. Erster Eindruck: Keine Black Jack-Höhle, keine Jim Beam-Bar. Gepflegte Gastlichkeit irgendwie im 90er Style. Links der Tresen, rechts zwei runde Tische mit je drei Stühlen. An der Stirnseite ein Aquarell; nichts zu erkennen. Der Boden mit hell marmorierten Kacheln gefliest, eine gedämpfte Martha Reeves & the Vandellas gibt den Background.
Wir bestellen die Spezialität des Hauses: Die WoS, die Wurst ohne Schatten. Im Nu zaubert uns Jim die Wiener in schwarzer Pelle auf schwarzer Pappe mit schwarzem Designersenf auf den Tisch. Egal welchen Blickwinkel wir auch einnehmen, weder Wurst noch Senf werfen Schatten auf die Pappe. Das Black Jim trägt seinen Namen zu recht.  Eike notiert den ersten Pluspunkt. Den zweiten für die schnelle Bedienung. Dann wieder Minuspunkt für den anfallenden Pappemüll.
Jim nimmt seine Coke, setzt sich zu uns und erzählt seine spannende Lebensgeschichte. Eike schreibt mit, weil er sowieso beim Punktevergeben ist: Also er, Jim, in Detroit am Band den 1968er Ford Galaxie XL Fastback montiert. Die schwarz lackierten waren auch vom Motor her immer die besten. Sah etwa aus wie der deutsche Ford Capri, nur größer. Eike meint, er kennt nur Capri-Sonne. Ich lache. Jim guckt uns scharf an und erzählt weiter. Rüber nach Europa und zu Ford Köln. Schließlich Berlin, als die Mauer unten war, den Laden gesehen und die WoS rein.
„Noch eine Frage, Jimmy Boy“, sagt Eike. Jim guckt ihn scharf an und Eike noch mal von vorn: „Noch eine Frage, Jim. Wann, wie und wo genau bist Du in Deutschland wegen Deiner Hautfarbe zum letzten Mal rassistisch diskriminiert worden?“
Jim streckt seine ganzen 1,90 m die Höhe, stellt sich neben Eike und bückt sich. Eike hat jetzt einen Bizeps vor der Nase, der dicker ist als jeder Oberschenkel in der Redaktion. Auch Big Klaus vom Layout kommt da nicht mit, der ins Studio geht.
Schweigend geht Jim hinter den Tresen und Eike kann wieder  Luft schöpfen.  Jim schiebt uns einen Zeitungsausschnitt mit Bild zwischen die schwarzen Pappen. Die Bildunterschrift verrät, dass er als Sparringspartner von Bob Foster im Ring gestanden hat. Und zwar vor dessen Kampf gegen Joe Frazier in der Cobo Arena Detroit. Eike sagt, er kennt nur Jodie Foster. Ich lache. Jim guckt uns scharf an, steckt den Zeitungsausschnitt wieder in die Klarsichthülle.
„Alles klar, Mädels? Fünf Euro.“ Er zeigt mit der Hand zur Tür.

Wertung:
Sauberer Laden. Fassungsvermögen: 1000 Leute, wenn nicht alle gleichzeitig kommen. (Ha, ha.) Straffes Angebot. Coke (nur traditionell) und WoS (nur als Wiener) ohne Brot. Coke/WoS Flatrate 60,- Euro pro Monat. Fixtable 35,- Euro pro Monat. WLAN nicht nachgefragt, kann aber sein.
Ambiente ok. Detroit Sound von vorgestern, aber leise. Jim wahrscheinlich, sagen wir mal: auch ok.
Öffnungszeiten: Täglich 20-21 und 22-4.30 Uhr. Dienstag und Donnerstag Ruhetag. Verkehrsverbindung: Erst U-Bahn, später Nachtbus.

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