M/M

Zwei Lichtbildstudien. Zeigend Graf, Maxl (l.) und Brem, Beppo (r.). Ikonen des dritten Drittels des 20. Jahrhunderts. In TV-Rollen des Fröschl (Graf, M.) und Wanninger (Brem, B.) Ort: Galeriewand Berggasthaus Herzogstand (Bayern, 1575 m), linker Hand, wennst reinkommst, gradaus zum 1A Kaiserschmarrn.
Aufnahmen mit Voigtländer Superb 6×6. Postkatenformat, s/w, signiert, undatiert, ungerahmt, Rückseite blanko. Signatur verblasst (Maxl) und kräftig (Beppo).

M/M = München/Museum wg.:
Cy Twombly.
Kalligraphisches?
– (s. Roland Barthes, Merve V. 113) –
Davon kaum. Schade.
Fehler dann: Wenn man schon mal da ist.
Und treppabwärts.
Die Kunsthistorikerin (ab jetzt: Kuhi) textend im Heftchen schürt:
„Einzelne Arbeiten besitzen inzwischen einen geradezu ikonischen Status.“
Wessen A.?
Deckblattillustration des Heftchens (neben der Kasse umsonst):
Die mit Kunststoff per Vakuumtechnik abgeformte Faust; gülden. (Ikone) – Jetzt 3x raten, bitte.
Unten vor Ort, ja, richtig geraten, abgeformte Frauenbrüste.
Welche poetische Kraft (die Kölner Karnevalsjecken schon jahrzehntelang aufbringen) des Künstlers Seth Price!
Doch er, Price, dringe auch vor (Kuhi): „In Territorien jenseits der bildenden Kunst“ und vermittle (Kuhi): „Ein Bild der emotionalen Landschaft des beginnenden 21. Jahrhunderts.“
Beweise: 150
Skulpturen, Filme,
Fotografien, Zeichnungen,
Malerei, Videos,
Kleider, Textilien,
Web-Design, Musik und, und was fehlt?:
Dichtung.
In gebotener Kürze: Andy Warhol + Web-Design = Seth Price.
Daher unten vorgeschaltet eine Warhol-Schau. (Die Price-Anschub-Show; – sicherheitshalber)
Arbeiten aus der Factory, die Kuhi-konsequent jetzt heißt:
„LGBT community.“
Zu ergänzen: esbian, ay, isexual, ransgender.
– Um wie viel (Maßeinheit) ist die Kuhi der Factory damit näher gerückt? –
Die Poplok (Warhol) hat so manchen angeschoben, wenn vorn auch gezogen wurde.
Price zieht aber nicht.
Denkt er zu viel?
Sein zentrales Thema immerhin (Kuhi): „Der bedrohte Status des Subjekts.“
Mein zentrales Thema:
Zeit vergeht für nichts. Bedrohung hin zu Status: Tod!
Darum aufi!
Hinein auf ein Helles ins überfüllte Gasthaus Isarthor, das der Künstler glücklicherweise nicht erworben hat, um es per Vakuumtechnik in Kunststoff abzuformen. Mir vis à vis erscheint ein kleiner Kopf über der Tischkante. Das Subjekt gähnt und schaut, wie die flotte Bedienung leere Gläser gegen volle tauscht. Gerade erwacht und aus einer Tasche gekrochen sitzt der Dackel unbedroht auf der Holzbank.

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Irene P. (53, Taxifahrerin)

In Fritz Mauthners Wörterbuch der Philosophie lese ich im Artikel Bacon’s Gespensterlehre den Satz: „Ein Lahmer auf dem richtigen Wege kommt schneller voran als ein verirrter Schnellläufer.“
Ein Phänomen hat es verdient, diesen Satz wörtlich zu nehmen.
Mehringdamm Ecke Yorkstraße: Der weiße Zeitnehmer-SUV, Digitaluhr auf dem Dach, missachtet das Handzeichen eines Mannes mit knallgelber Warnweste und fährt in Höhe der ehemaligen Praxis Dr. Gottfried Benns über ein Nagelbrett.
Dem Wagen folgt in dreißig Meter Abstand das famose kenianische Führungsseptett in Pfeilspitzenformation. Man ist, wie immer, auf Weltrekordjagd. Vor sich sehen die sieben Kenianer den quer geschleuderten SUV auf vier Platten. Sie wissen, dass ein Ausweichen den Verlust wichtiger Zehntelsekunden bedeuten würde und entscheiden blitzschnell, den Laufrhythmus beizubehalten, biegen ab nach links in Richtung Tempelhofer Damm wie es der Westenmann anzeigt.
Die Läufer werden rechts und links von Fahrradfahrern eskortiert, die zur Organisation gehören. Ein Oberradler will die Streckenänderung nicht wahrhaben, hält an und spuckt große Töne. Der Westenmann zeigt einen Zettel: „Fahrbahnabsenkung, Plan B.“
Preußische Knappheit überzeugt. Der Radler schreit: „Plan B!“, steigt auf, biegt ab nach links. Alle Fahrradfahrer und Läufer folgen. Zunächst die kenianischen Verfolger der famosen Kenianer, dann deren Verfolger, dann größere Pulks, dann der Lindwurm von etwa fünfunddreißigtausend Marathonläufern, die bei Kilometer 19 noch im Rennen sind. Passieren tut nichts, die Polizei twittert sekundenschnell ein allgemeines Fahrverbot für alles mit Rädern, was nicht zum Tross gehört. Über dem Pfeilspitzenseptett kreist ein Hubschrauber, der anzeigt, wo es langgeht, wie die Kenianer meinen. Dabei ist es von jetzt an umgekehrt.
Als die ersten Fußlahmen erscheinen, die schon beim Gehen pausieren müssen, gibt der Westenmann die Strecke Richtung Yorkbrücken wieder frei, zieht die Weste aus und belohnt sich nebenan bei Curry 36.
Den Fußlahmen stehen noch dreiundzwanzig Kilometer bevor. Neunundfünfzig von ihnen schaffen es bis in Sichtweite des Brandenburger Tores, zweiundzwanzig können es noch durchqueren, von denen sechzehn wiederum fünfzehn Meter vor dem Ziel aufgeben und wie die anderen in den Besenwagen zusteigen. Rest sechs. Eine Frau mit blauen Turnschuhen muss sich einen Meter vor der Ziellinie unendlich erschöpft auf die Bordsteinkante setzen und durchpusten, gibt aber nicht auf.
Die übrigen fünf Männer fassen sich bei den Händen, zählen rückwärts von drei auf null und lassen sich bei null gemeinsam ins Zielband fallen. Fünf Träume werden wahr. Nicht ganz. Da ihre Füße zwanzig Zentimeter vor der Linie verbleiben, haben sie das Ziel nicht regelkonform durchquert. Trotz Zuspruchs der brodelnden Zuschauermasse, fehlt die Kraft zum finalen Krabbeln.
Nach zwei Minuten erhebt sich die vergessene Tochter des blauen Turnschuhs von der Bordsteinkante und stakst über die Liegenden hinweg ins Ziel.
Als Letzte ist sie nach knapp neun peinvollen Stunden die Doppelsiegerin des Berlin-Marathons. Irene gewinnt 50000 Euro, weil sie die beste Frau ist und nochmals 50000 Euro, weil kein Mann schneller war.
Das pfeilschnelle kenianische Septett hat indessen, ohne jemals Wasser zu fassen oder zu lassen, 190 Kilometer bewältigt und wird bei gleichbleibend hoher Geschwindigkeit in wenigen Minuten die Messestadt Leipzig erreichen.

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Franz Kafka – Brief an den Intendanten

Sehr geehrter Herr,

eine Fälschung ist ein Skandal und ein Skandal ist etwas für die Presse, der es an Nachfolgern Egon Erwin Kischs nicht fehlen dürfte, sagte ich mir und suchte das Rathaus Steglitz auf, um die Zeitung zu lesen, die dort in Schaukästen zur Straße hin dargeboten worden war, als ich zum letzten Mal in Berlin weilte. Kein Wort zum Proceß, zur Auslegung des Manuskripts. Denn es gibt diese Schaukästen nicht mehr.

Der Fußweg von Steglitz hinunter zum Ort der Auslegung, zum Kunstgewerbemuseum, mittlerweile Gropius-Bau und Veranstaltungsort der Berliner Festspiele, denen Sie verantwortlich vorstehen, Herr Intendant, erschien mir zu beschwerlich. Ich nahm für eine erstaunliche Summe den Autobus. Bald warf sich jemand neben mich in die Sitzbank als sei ich nicht vorhanden. Ich verließ den Autobus an der nächsten Haltestelle, wo alle Aussteigenden sofort wussten, in welche Richtung zu gehen war. Es kam zu Schubsereien gegen mich, der ich einen Moment lang unschlüssig stand.

Erwarb daraufhin eine kräftigende Tomate. Nicht gewohnt, sie aus der Hand zu essen, biss ich zu wie bei einem Apfel und der größte Teil des Inhalts fuhr hinunter auf mein linkes Hosenbein, da ich blitzartig das Knie nach vorn bewegt hatte, um für mich zu retten, was gar nicht zu retten war. Die feuchte Masse bewegte sich langsam die Bügelfalte entlang nach unten, bis ich sie, bevor der Schuh erreicht war, abschüttelte.
Eine Tür, die ich öffnen wollte, um in einem Hausflur abseits der Öffentlichkeit an der Hose zu reiben, war verschlossen. Auf dem Klingeltableau erweckte einzig der Name Klawuttke Zuversicht, eingelassen zu werden. Ich klingelte bei Klawuttke, aber keiner der Klawuttkes öffnete. Stattdessen hörte ich durch den Lautsprecher den klawuttkischen Hund bellen.
Betrachten sie die letzten Zeilen nicht als skurrile Anekdote, die ich hätte weglassen können. Klawuttke wird für Sie noch wichtig werden, Herr Intendant.

Um vollends von der Tomate loszukommen, steckte ich den Rest, den ich noch immer in der Hand hielt, in den Mund und schlang ihn, entgegen meiner Gewohnheit, ohne zu kauen hinunter, worauf sich Magenschmerz entwickelte, sodass ich die Tomate verfluchte. Andererseits war mit einem verschmutzten Hosenbein nun zumindest ein Grund vorhanden, mir bis zum Gropius-Bau respektlos zu begegnen.

Als ich um zehn Uhr die Ausstellungsstätte betreten durfte – trotz der Zwischenfälle war ich zwanzig Minuten zu früh erschienen -, meinen Hut an der Garderobe abgegeben, den Obolus entrichtete hatte und in den ersten Stock hinaufgestiegen war, fand ich mich in den Räumen allein mit einem Wächter, der mich seine Beobachtung meiner Person spüren ließ. Selbst als Publikum nachrückte, behielt er speziell mich im Auge, als sei von mir das Schlimmste zu erwarten. Tatsächlich war mir mehrfach danach, augenblicklich den Tomatenrest heraufzuwürgen und auszuspeien.

Der Skandal, von dem nichts zu lesen war und mit dem ich mich in gewisser Weise bereits abgefunden hatte, erwies sich beim Betrachten der Glasvitrinen als ein Skandal mit dem ich mich auf keine Weise je abfinden werde können. Meine Absicht war, nach ruhiger Beschau der Manuskriptfragmente Ihnen, Herr Intendant, mitzuteilen, dass Der Proceß, so wie er ausgelegt ist, eine Fälschung sei. Der Skandal jedoch ist nicht die Fälschung, sondern die Echtheit.
Eine große Schrifttafel zu Beginn der Ausstellung weist ohne Umschweife darauf hin. Ich zitiere:

„Max Brod, der noch zu Kafkas Lebzeiten das Prozess-Manuskript vor dem Feuer rettet und sich später als Nachlassverwalter auch Kafkas letztem Willen widersetzt, sieht sich 1924 vor der großen Aufgabe gestellt, Kafkas Werk…“ usw., usw.

Hat er sich diese sogenannte große Aufgabe nicht selbst gestellt, als er, was ich zweimal verfügte, missachtete? Sollte die erste Verfügung meinetwegen als Resultat einer momentanen Gemütsstörung angesehen worden sein, so sollte die zweite, genauere Vernichtungsverfügung diesen Eindruck korrigiert haben. Setze ich mich in ein Café U.d.L. und verlange ausdrücklich keinen Apfelkuchen, bekomme dann aber welchen, wurde meinem Wunsche keineswegs entsprochen. Herr Brod, dem ich nunmehr das freundschaftliche Max entziehe, war offenbar anderer Auffassung.

Ich darf nun den Schluss des Zitats nochmals zitieren: „ …sieht sich 1924 vor der großen Aufgabe gestellt, Kafkas Werk…“ Sehe ich mich vor die kleine Aufgabe gestellt, ein großes CASUS! an den Rand zu malen? dachte ich und habe es nicht gewagt, spürte ich doch den Blick des Wächters in meinem Rücken.

Bei Beschau des Manuskripts dachte ich, ja, das hast alles du geschrieben, ja, hast das alles du geschrieben? Denn ich erkannte die Schrift Herrn Brods, der im Text herumgefuhrwerkt hat.
Daher meine Frage: Warum liegen die Fragmente unter Glas? Warum lassen Sie, Herr Intendant, das Publikum nicht Sätze streichen, die missfallen, Passagen hinzufügen, die zu fehlen scheinen? Warum verwehren Sie dem Publikum, was sich Herr Brod herausgenommen hat?

Bevor ich mich über drei Arten der Betrachtung auslasse, möchte ich Sie davon in Kenntnis setzen, dass ein Blatt in Kopie vorliegt.
Beschauen Sie sich bitte die mit 26 bezeichnet Seite. In der unteren Hälfte ist ein kleiner Teil der Schrift verwischt. Er ist darum verwischt, weil mir über die mit der Zahl 34 bezeichnete Seite während der Niederschrift ein Glas Wasser auskippte und ein Spritzer auf Blatt 26 landete. Ich tupfte mit einem Taschentuch darüber und beließ den Flecken, da noch zu lesen war, was zu lesen sein sollte. Bei Blatt 34 war das nicht der Fall. Ich beschrieb ein neues, sodass hier eine saubere Kopie des unleserlich gewordenen Originals vorliegt. Was ich Herrn Brod ausdrücklich nicht gestattete, gestatte ich nun Ihnen, nämlich den Eingriff in den Text, indem Sie über Blatt 34 ein Glas Wasser auskippen mögen, was vor Fachkollegen als Emendation leicht zu rechtfertigen wäre.

Ich habe von einer Arte povera sprechen hören, wo die alleinige Menge der auf den Museumsboden hingeworfenen Eierschalen oder Schnürsenkel künstlerische Wirkung erzielt. Nun, mit drei Schritt Abstand von den Vitrinen gleichen sich auch die Manuskriptseiten wie ein Ei dem anderen. Nur hingeworfen sind sie nicht. Die Anordnung der Seiten in den Vitrinen ist eines Landvermessers durchaus würdig, denn um keinen Millimeter weichen die Abstände der Seiten voneinander ab, um keinen Grad wird der rechte Winkel verlassen.
Da auch Eierschalen- und Schnürsenkelberge wahrscheinlich nicht bloß hingeworfen, sondern ebenso pedantisch geschichtet wie die Manuskriptblätter gelegt sind, wich einiges Publikum jene eingewöhnten drei Schritte zurück und schlug das Manuskript als dargebotene Materialmenge aus Papier und Tinte offenbar der Bildenden Kunst zu.
Oder meinen Sie gar, Herr Intendant, ich hätte mir die Seiten jemals auf diese Weise betrachtet, sie seien gleichsam authentisch platziert? Ich habe stets recht kleine Zimmer bewohnt, keine Säle. Das Manuskript war mir immer ein Faszikel, in dem zu blättern ist.

Dies zur ersten Art der Betrachtung, die meist der zweiten folgte, welcher die dritte als eine erste voranging. Jene zweite setzt nun ein Heranrücken an die Vitrinen voraus. Es wird beschaut, jedoch nicht gelesen. Denn als sei der Boden vor den Vitrinen ein stetig sich vorwärts bewegendes Band, gleitet das Publikum langsam dahin und vorbei. Die Betrachtungsweise ist also wiederum eine ästhetische, gilt meinetwegen Schwüngen oder anderen Besonderheiten meiner Handschrift, auf die ich nicht den geringsten Wert legte. Die Vereinigung von Bildender Kunst und Schrift hat in der westlichen Welt jedoch Herr Cy Twombly bestens zu Wege gebracht, nicht ich.

Die dritte Betrachtungsweise, die jeder Beteiligte nun richtigerweise als die erste erkennen wird, ist die des Lesens. Mir fiel auf, dass Lesen und lautes Hersagen immer den ersten Halbsatz betrafen, den man offenbar auswendig kennt. Denn er ist nicht leserlicher ausgefallen als der Rest. Hinzu kam mehrfach Verwunderung über den Umlaut in verläumdet, der mein offenbar kurioses Wesen offenbart. Aber wozu auch dutzende Seiten angestrengt entziffern, wenn Herr Brod die Fragmente zu einem Buch geschmiedet hat? Betrachtungsweisen zwei und drei konnten beginnen.
Ich mache dem Publikum weder zum Vorwurf, dass es den der Arte povera gemäßen Abstand einnimmt, noch sich kalligraphisch interessiert nähert oder den ersten Halbsatz für das Ganze nimmt. Wenn Der Proceß nun einmal ausliegt, die unerhörte Maßnahme gegen mich vollbracht ist, steht es jedem frei, eine Haltung zu wählen, die gefällt.

Als eine Stunde vor Mittag, wohl um dem Begriff Berliner Festspiele zu genügen, in einem Nebenraum Der Film zum Manuskript abgespielt wurde, verließ ich mit jetzt heftigen Magenkrämpfen das Gebäude. Es war mir eine große Erleichterung zu sehen, dass der Chauffeur seinen Rausch ausgeschlafen und meinen bequemen Reisewagen vorgefahren hatte. Ich musste jedoch noch einmal umkehren, den Hut auszulösen.

In meiner Rocktasche steckten einige Seiten harmlosen Inhalts, die ich als ein Original gegen die Fälschung, die leider keine ist, hatte hergeben wollen. Ja, ich hatte die Absicht, Sie zu retten, Herr Intendant!

Ich schrieb diese Seiten während meines letzten Aufenthalts in Berlin und weiß, dass nach ihnen gesucht wird. Empfängerin war ein Mädchen, das seine Puppe im Steglitzer Stadtpark verloren hatte und bitterlich weinte. Ich habe die Puppe dem Mädchen Briefe schreiben lassen von einer schönen Reise mit dem glücklichen Ende einer Heirat. So war das Mädchen schließlich über den Verlust getröstet und die Mutter gab mir die Seiten mit herzlichem Dank zurück.
Nach meinem Besuch im Gropius-Bau vor zehn Tagen, habe ich den Bentley neben einem Abfallbehälter halten lassen. („Eins, zwei, drei vier Eckstein, Alles muss versteckt sein!“ ruft die freche Puppe im Moment, als das Mädchen glaubt, sie verloren zu haben.) Ich füge eine Zeichnung bei, wo sich der Abfallbehälter befindet, in den ich die Seiten fallen ließ.

Ausschließlich Sie, Herr Intendant, erhalten diesen Hinweis und ich setze einen zweiten hinzu: Die Klawuttkes hätten es nicht weit!
Sehen Sie es als einen bescheidenen Gunsterweis an. Denn womöglich haben Sie die Zurschaustellung des Manuscripts gar nicht aus eigenem Antrieb veranstaltet. Der Berliner Geschäftsbetrieb verführt schließlich manchen braven Mann zu Taten, die später zu bereuen sind.

K.

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Betaästhetik

Sparsonne: Frau Dr. v. Grundbeben, zunächst vielen Dank für das Interview.

Grundbeben: Es wird mein erstes und letztes sein.

Wir stehen hier auf einer massiven Stahlbetonplatte im Keller Ihres Hauses. Warum ist Ihnen diese Platte wichtiger als der Goldfischteich im Garten?

Grundbeben: Goldfischteich?

Anders gefragt: Warum die massive Stahlbetonplatte?

Grundbeben: Weil man sich dem Grundbeben gegenüber offensiv verhalten sollte.

An welche Art von Grundbeben denken Sie da, Frau Dr. v. Grundbeben?

Grundbeben: Grundbeben jeder Couleur.

Tektonische, intellektuelle, religiöse? Alle?

Grundbeben: Alle.

Und kostet, über den Daumen gepeilt, wie viel?

Grundbeben: Den Beton habe ich selbst geschüttet, vorher die Moniereisen zusammengerödelt. Wie auf dem Belegfoto erkennbar. Mit meiner alten Voigtländer geschossen. Hier, heben Sie mal an.

Auch aus Stahlbeton?

Grundbeben: Da hat man was in der Hand, wie? Ist sogar ein Film drin. Wissen Sie was das ist, ein Film? Scheißegal. Was wollten Sie wissen?

Die Kosten für die Stahlbetonplatte.

Grundbeben: Selbst schütten und zusammenrödeln spart Geld. Und ich weiß von vornherein, dass die Mischung stimmt und alles sitzt. Wem Look and feel egal ist, bekommt es noch preiswerter. Allerdings kenne ich mittlerweile kein Gebäude, wo Betaästhetik der Bodenplatte nicht bis zum Dach durchgeschlagen hätte. Paläste mausern sich zu Bruchbuden. Und keiner weiß, warum.

Können Sie Beispiele nennen?

Grundbeben: Die Regierungsbauten der Bonner in Berlin. Man kann’s aber auch metaphorisch nehmen.

Wann sind sie zum ersten Mal auf das Phänomen des Grundbebens gestoßen?

Grundbeben: Nach meiner Scheidung, als meinem Mann unserer gemeinsames Haus, besser gesagt, unsere gemeinsame Bruchbude zugesprochen wurde. Das Grundstück wurde allerdings geteilt und ich bekam das Hammergrundstück hier hinten. Als ich dann mit dem Vorschlaghammer das Gewächshaus zertrümmerte, war ein gewisses Grundbeben zu spüren. Bei meinen Ex sozialwissenschaftlich als manifeste Kränkung, bei den Nachbarn eher naturwissenschaftlich als manifestes Bodenzittern. Davor will ich mich selbst dauerhaft schützen.

Die nachbarliche Seite, die physikalisch-tektonische, leuchtet sofort ein. Sollten die Herrschaften ihrerseits ihre Gewächshäuser zertrümmern, würde die Bodenplatte, auf der wir hier stehen, sicher abweisend wirken. Aber die psychologisch-soziologische Seite ist doch sehr rätselhaft.

Grundbeben: Warum? Die 1A-Stahlbetonplatte unterstützt die Herausbildung eines stahlbetonharten Gemüts. Und zwar in jedem Alter, junger Mann!

Könnte man sagen, dass Sie über das Hammergrundstück, das Sie zum Hammer greifen ließ, auf das Grundbeben aufmerksam wurden, Frau Dr. v. Grundbeben?

Grundbeben: Tatsächlich ist es so. Als emeritierte Pathologin war mir der Begriff des Grundbebens vorher vollkommen fremd.

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Wer vertont mir das?

Herstellung von Geleebananen
übertragen im TV.
Rührwerke wälzen quälend langsam
Zentner zäher Masse in großen Kesseln.
Die wird hingegossen auf Bleche
und breit verteilt von einem Riesenspachtel.
Jetzt senken von oben
sich tausend krumme Förmchen.
Heben sich wieder,
zurück bleiben Bananen.
Nackt ruckeln sie weiter.
Aus spitzen Düsen
spritzt plötzlich Schokolade,
zielgenau und kurz.
Dann die Kühlung, dann die Verpackung.
Ganz hinten in der Riesenhalle,
einmal durchs Bild gehuscht,
ein Mann mit Haarnetz im weißem Kittel
ohne Schokoladenflecke.
Wird später auch befragt,
weiß alles, ist der Herr Ingenieur.
In der Reklame heißt es,
man widme sich zum Wohle …
Nein, heißt es natürlich nicht.
Soll man sich denken,
wenn einer ins Gelee
am Strand von Manitoba beißt
und sein Gesichtsausdruck
vom Glück des Menschseins kündet.
(Übrigens: Das habe ich alles nie gesehen.
Nur – nicht aber am Strand von Minatabo –
eine Packung Geleebananen aufgerissen.)

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… in Thüringen

Höttges, Haller, Siggi Held,
Marmelade, Abendröte,
Ecke, Strafraum, Mittelfeld,
wo gleich wohnte Wolfgang Goethe?

Schlappi, Steppi, Riegelrudi,
Uhu, Spucke, Tesafilm,
Zauberer, Magister ludi,
Goethe wohnte an der Ilm.

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Für Hartmut

img_09141970. Zu Beginn des Schuljahres kam ein Neuer in die Klasse. Hartmut. Den erstaunten Lehrern nannte er in einem Atemzug Namen und Existenzform. Heute heißt sie Verweiler, damals Sitzenbleiber. Hartmut kürte sich zum Repetenten. Er war neunzehn, zwei Jahre älter als wir anderen. Es zierte ihn ein blonder Bart in der Facon wie Walter Ulbricht seinen grauen trug. Hartmut lief nicht gebeugt unter der Last des US-Imperialismus, sondern wahrte aufrechte Haltung, trug geputzte Schuhe und gebügelte Oberhemden. Nein, Krawatten trug er nicht. Er war ein Dandy im Versuchs- oder Frühstadium und er kellnerte; und zwar regelmäßig, auch unterhalb der Woche. Der Laden hieß Steamer of Bremen. Wir vermuteten dort Leute seines Schlages, mit denen nichts anzufangen war. Der Neue brachte alle Voraussetzungen mit, ein Außenseiter zu werden, hätte es nicht ein anarchistisches Mädchentrio mit feiner Witterung für Verbündete gegeben.
Die drei waren nicht nur der Alptraum des Lehrkörpers. Auch die auf Bewusstseinserweiterung gepolten Ad-hoc-Gruppen und HISTOMAT-DIAMAT-Kader hatten ihre Probleme. Die beste Freundin des Trios hieß Anja. Anja hatte nichts dagegen, wenn die drei sich abends in der Schule einschließen ließen, ihre Vorbereitungen für einen fröhlichen Schulbeginn am nächsten Morgen trafen und aus dem Parterre wieder entstiegen. Anja war die Schäferhündin des Hausmeisters. Ergänzend wurde nun Hartmut in Dienst genommen.
„Und nun zu …“, ein Klassensatz Reclamhefte landete auf dem Lehrertisch, „… Brecht.“
Hartmut gluckste zweimal, hielt sich dann gekonnt den Handrücken vor den Mund und hüstelte, dem Lehrer anzeigend, die Contenance nur vorübergehend verloren zu haben. Den verdeckten Lacher nahm jedoch das Trio auf, das seine Sympathisanten ansteckte, sodass schließlich die gesamte Klasse bis zur Erschöpfung lachte. Eingeschlossen selbst die, die niemals lachten: Verlobte Schwangere und Zahnarztsöhne. Brauchte man frischen Impuls, reichte ein Blick hinüber zu Hartmut, der das prustende Hufeisen mit allergrößter Verständnislosigkeit betrachtete.
Er setzte sein Glucksen absolut instinktsicher. Es vergingen Tage, an denen wir nicht ein einziges Mal lachten. Als aber die Aufsichtsperson während einer Klassenarbeit selbstvergessen im Yoghurt rührte und schließlich den Löffel zum Munde hob, gab Hartmut Signal und die Lawine brach los. Als sie verebbt war, hörten wir, wie gesund Yoghurt sei, sahen Hartmut zustimmend nicken und es ging wieder los.
Der Musikunterricht fand nur theoretisch statt, tatsächlich herrschte große Pause. Auch hier griff Hartmut ein. Als die Pädagogin, unter Gegrummel und Gemache unsererseits, ein Stück am Flügel beendet hatte, stand er auf und applaudierte. Sie bedankte sich und gestand, für den kleinen Vortrag zu Haus sogar geübt zu haben. Hartmut setzte sich, wir schwiegen betreten. Keine Lehrkraft hatte es je geschafft, der Klasse Musik näherzubringen. Hartmut sorgte für die Wende.
Er mag eine gute Musiknote bekommen haben, die übrigen Fächer konnte er nicht bewältigen. Selbst Schuld. Wir hielten seine Kellnerei für exzentrisch überspannt, nicht für existenziell notwendig. Nach einem Halbjahr verschwand er wieder, blieb aber ein Weilchen präsent, weil das Mädchentrio seiner gedachte. Ihm zu Ehren erfanden sie ein Wesen namens Hartmude. Mitten im Unterricht fiel plötzlich dieses Wort und ein Zeigefinger deutete gegen die Decke. Dort war nichts. Aber alle schauten hinauf und fragend oder zurechtweisend begrüßten wir das Deckenphantom: „Hartmude?“ „Hartmude!“ Am Ende des Schuljahres wurde das Trio gesprengt.
Ich war neunundzwanzig, Hartmut wäre einunddreißig gewesen, als ich einen Klassenkameraden traf, der in Hartmuts Nähe gewohnt hatte. Er erzählte, dass Hartmut, drei Jahre nachdem er die Schule hatte verlassen müssen, mit seinem roten NSU Prinz gegen einen Baum gekracht und zweiundzwanzigjährig verstorben sei. Zur Beerdigung seien nur er, der Klassenkamerad, und Hartmuts alter Vater erschienen, dem gänzlich unklar geblieben sei, was passiert war.
Hartmut war der erste Tote meiner Generation, den ich kenne.
Ahoi Hartmut! Das wollte ich doch geschrieben haben. Worte sind kein neues Leben, ich weiß. Doch mehr als Worte machen, kann ich nicht. Verzeih mir mögliche Fehldeutungen und den Blick ins Private. Mit Sicherheit wärest du der Käptn im Steamer geworden.

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Wegen Humboldt, und zwar Alexander von, im Naturkundemuseum

Als ich mit zehn Jahren von einer Kinderlandverschickung aus Franken nach Berlin zurückkehrte, war mein Sportbeutel, eigentlich bestimmt für Reiseproviant, randvoll mit Steinen und ordentlich schwer. Ich selbst hatte nicht zugenommen, wie beim abschließenden Wiegen vor Ort herausgekommen war. Während unseres Aufenthalts in Westdeutschland war die Mauer gebaut worden. Das beherrschende Thema bei der Ankunft war unsere geglückte Rückkehr auf die Insel. Nur meine Eltern machten eine Ausnahme. Ihr sorgenvolles Interesse galt allein dem Missverhältnis von superschwerem Sportbeutel zu meiner schmächtigen Gestalt. Als hätte ich die Steine von der ersten bis zur letzten Sekunde mit mir herumgetragen.

Ausgepackt hatten die Steine eines gemeinsam: Irgendwo waren Abdrücke oder Versteinerungen von Muscheln zu sehen, deren Winzigkeit in keinem Verhältnis zur Größe der Steine stand. Begeisterte Anteilnahme konnte ich nicht ernten.

In Berlin ließ sich diese Sammlung nicht erweitern. Ich schwenkte um auf handlichere Formate, die mir von Farbe und Form her gefielen. In der kleinen Wohnung erhielten die Fundstücke nicht Schauecke oder Kreativinsel, sie wanderten platzsparend hinten ins Bettfach der Snapcouch, dann in den Keller und sind schließlich verschwunden. Mit ihnen verschwand vorübergehend auch mein Interesse. Jahre später im Geröll am Malojapass erwachte es wieder. Aber wie war es überhaupt entstanden?

Einen kleinen Anstoß gab meine Großmutter. Sie hatte erzählt, dass Steine wachsen würden. Denn selbst wenn sie und die Geschwister die Steine nach dem Pflügen vom Feld gesammelt hätten, seien im Frühjahr immer wieder neue zu sehen gewesen. Der Frost treibt die nicht sichtbaren über den Winter nach oben, habe ich später gelesen. Sie lag also richtig. Ich denke immer an sie, wenn ich an gepflügten Feldern entlang spaziere. Aber damals, als sie aus der Kindheit in Westpreußen berichtete, war die Erwähnung des Steins noch kein Anschub für näheres Interesse. Es musste jemand hinzukommen, der kräftig mitschob. Ich hatte Glück.

Die kleine Wohnung befand sich nämlich in der Humboldtstraße, die offenbar beide Brüder zugleich ehrte, sodass mich Alexander vom Straßenschild herunter beeinflusst haben mochte. Eine andere Erklärung kann es gar nicht geben, denn selbst meine Mutter geriet als gelernte Putzmacherin unter humboldtschen Einfluss. In der blechernen Pralinenkiste, die sie zwanzig Jahre nach meinen ersten Funden auf den Tisch stellte, war nichts Süßes mehr, sondern Sand. Sandproben in beschrifteten Kaperngläschen aller besuchten Strände und Gewässer. Von dieser Sammlung hatte ich nie etwas gewusst. Sie zeigte die Gläser vor als sei es selbstverständlich, im Urlaub Sandproben zu nehmen. Die Blechkiste war mir das Wichtigste anlässlich der Wohnungsauflösung. Inzwischen weiß jeder, der mich kennt und verreist, was mitzubringen ist. Die Pralinenkiste ergänzt inzwischen ein Schuhkarton. Meine aktuelle Steinsammlung ist hingegen auf acht kleine Objekte geschrumpft, die unbeachtet auf dem Fensterbrett liegen. Seit Jahren gilt meine Aufmerksamkeit ausschließlich dem neunten. Der Stein liegt neben einer Lupe griffbereit auf dem Schreibtisch und kommt von weit her.

Im Spätsommer 2010 hatte ich mich einer Reisegruppe anschließen können, die, ausgehend von der Metropole Nanning, Ausflüge im Süden Chinas unternahm.

Der Rong-Fluss in der Provinz Guangxi führte Normalwasser, so dass wir problemlos die Dong-Minderheit auf einer Insel besuchen konnten. Am nächsten Morgen fuhren wir mit einer Barkasse flussaufwärts. Was Hochwasser bedeutet, war in zehn Metern Höhe an den linken Uferfelsen abzulesen, wo hängen gebliebener Abfall den höchsten Pegelstand markierte. Gegenüber stieg sacht ein breiter Geröllstreifen bis zur steilen Böschung an. In einer kleinen Bucht mit Steg stoppte die Barkasse, oben wartete ein Kleinbus. Fotografiert wurden rostige Förderbänder und Maschinen zur Steinzerkleinerung. Ich nahm eine Sandprobe, konnte dem offenbar unrentabel gewordenen Geröllfeld aber nicht widerstehen.

Man rief mich. Aber ich hatte noch nicht gefunden, was ich suchte, kniete immer wieder nieder, nahm einen Stein zur Hand und legte ihn wieder zurück an seinen Platz. Denn ich wollte meinen Rucksack nicht befüllen wie einst den Sportbeutel. Und dann sah ich ihn. Er war nicht eiförmig und hellgrau wie alle anderen, sondern lindgrün in Gestalt einer Schuhsohle – etwa Größe 42 – mit auffällig dichter, dunkelgrüner Oberflächenzeichnung, die sofort an Horst Janssen erinnerte. Auf Klopfen klang der Stein metallisch.

Der Geologiestudent, dem ich meinen Fund später zeigte, identifizierte ihn als Paragneis. Die Zeichnung ließ ihn nicht die Kunst Horst Janssens, sondern Jahrmillionen zurückliegende, drückende und schiebende Kräfte erkennen, da einige kräftige Linien, die er Fiederklüfte nannte, abbrechen und sich etwas versetzt fortsetzen. Aber auch dem Studenten gefiel, wie der am Rand abgerundete und an der Oberfläche mit sanften Wölbungen versehene flache Stein in der Hand lag. Für weitere Erkenntnisse sei er allerdings durchzusägen, sagte er. Dazu ist es natürlich nicht gekommen.

Schon in China und ohne Lupe wurden nach kurzem Hinsehen diverse Tier- und Menschengestalten sichtbar. Ich muss dazusagen, dass ich diese Ausschau nach Formen und Bildern in amorphen Strukturen von Terrazzofließen und Marmorsäulen schon immer trainiert habe. Später, unter der Lupe betrachtet, lösten sich die großen Formen auf in ein Heer von Kämpfern in langen Mänteln, teils Schwerter schwingend oder Fußtritte austeilend, wie sie in chinesischen Filmen herumwirbeln, wo die historischen Helden der Kampfkunst gefeiert werden. Auch ein verirrter Don Quixote hoch zu Ross ist zu erkennen. All das würde reichen, um zu erklären, woraus der Stein seine Sonderstellung bezieht. Doch vier Jahre später gab er nochmals ein Extra preis.

Er lag neben der Tastatur, ich sah in an und erkannte auf einen Blick das Gesicht Dostojewskis in Fünfmarkstückgröße. Wie ich den Stein seither auch drehe und kippe, Dostojewski habe ich niemals wieder entdecken können. Fabelhafte Tiere und gelenkige Figuren identifiziere ich bis heute immer wieder neu.

Ich bin auf dem Weg zum Museum für Naturkunde in der Invalidenstraße und denke nicht an Dostojewski, sondern an Wolfdietrich Schnurre. In seinem Bestseller lässt er den Vater, als dessen Bart noch rot war, dort als Tierpräparator arbeiten. Zwar gefällt mir das Buch, nicht aber Ausgestopftes. Ich ziehe die im Vergleich dazu quicklebendigen Steine vor.

Da ich nun das Naturkundemuseum betrete, ziemt es sich, nicht länger vom Stein, sondern vom Gestein zu sprechen.

Gestein ist ein Gemenge aus Mineralen und das Gemenge verschluckt ihre Schönheit. Wer bestaunt den Quarz im Bordstein aus Granit? Nur wenn sie genügend Raum zum Aufwuchs haben, können sich Minerale entfalten. Die freie Entscheidung für diese oder jene Daseinsform haben sie jedoch nicht. Die überwiegende Zahl muss die ihnen vorbestimmte Kristallstruktur ausbilden. Minerale zu finden, bedeutet, wie der Name schon sagt, durch Minen zu krauchen, Gebirge und Steinbrüche zu durchwandern oder bequem den Mineraliensaal das Museum für Naturkunde zu besuchen. Er befindet sich links der Saurierhalle und hat zwei Eingänge. Ich wähle den direkten von den Schließfächern her, um dem Tohuwabohu rund um die Saurier zu entgehen.

Der Saal macht den Eindruck als sei er seit einhundert Jahren unverändert. Zur Eröffnung des Museums, 1889 eingerichtet – da war Trotzki zehn; nur zur Orientierung -, ist er tatsächlich nahezu im Original erhalten. Nur die fünf Vitrinen im Mittelgang sind neu. In einer die Silicium-carbid-Kohlefaser-Verbundkeramik-Porsche-Bremsscheibe als Beleg dafür, wozu Minerale im Alltag taugen. In zwölf jeweils links und rechts quer zum Mittelgang platzierten hohen und flachen Vitrinen stehen und liegen die Exponate. Auf dem flachen Holzpodest ein gedrucktes Schildchen mit Bezeichnung und Herkunftsort. Gezeigt werden etwa zwanzig Prozent aller bislang entdeckten Minerale.

Gleich in der ersten Hochvitrine links des rückwärtigen Eingangs, obere Reihe, achtes Objekt, die wohl populärste Quarzvarietät: Eine plan geschliffene, blauviolette, etwa frühstückstellergroße Achatmandel aus Idar-Oberstein an der Nahe, dem deutschen Ende der Welt.

Alle Objekte in dieser Vitrine sehen seltsam matt aus. Der Achat ist wegen des oberen Vitrinenrahmens sogar zu zwei Dritteln verschattet. Das wäre ihm in der Heimat, im Edelsteinmuseum von Idar-Oberstein nicht passiert. Untergebracht in einer Gründerzeitvilla ist es eine funkelnde Schatztruhe. Kein Schliff, keine gewachsene Kristalltracht aber funkelt von selbst. Ob Punktstrahler oder Quarzlicht, in Idar-Oberstein erhält das Exponat jene Beleuchtung, die beste Wirkung garantiert. Im Mineraliensaal des Berliner Naturkundemuseums wird sozusagen demokratisch belichtet. Keinem Mineral ist eine Extrawurst Licht gebraten. Manches hat Glück und liegt günstig bestrahlt, das andere nicht. Man setzt auf das bloße Vorhandensein. Während es der Hunsrücker Achat im Museum seiner Heimat zum musterhaft exponierten Individuum gebracht hätte, ist er hier bescheidenes Mannschaftsmitglied. Die individuelle Leistung besteht womöglich darin, dass er es aus zweihunderttausend mineralischen Mitbewerbern im Magazin bis in den Schausaal geschafft hat. Habent sua fata lapides und zurück zu den Vitrinen.

Sich ihnen zu widmen, ist nicht immer einfach. Anders als ich, verfällt kaum jemand in stumme Betrachtung. Die Akustik ist fürchterlich. Was hinten links in der Ecke gesprochen wird, stört noch in der Ecke vorn rechts. Wo ist das Schild „Es herrscht Ruhe!“ aus wilhelminischer Zeit geblieben? Ist mir „Die stille Stunde der Museen“ bei verdoppelten Eintritt entgangen? Viele Besucher äußern laut ihre Enttäuschung, dass es hier nicht mit den Sauriern weitergeht. Andere bleiben und bald heißt, nein, hallt es: „Wir sind gleich durch!“ Wieder andere stellen fest: „Sieht aus wie Schimmel!“, was immer wieder dem Kristallrasen des Nickelsmaragds gilt. Ein Vater zeigt gebieterisch da und dort hin: „Hast Du den schon?“ Der Sohn darf heute die Superkamera bedienen. Die Vitrinen werden umkreist, Ländernamen aufgesagt, die Exponate gezählt. Dann bin ich Hindernis und muss zurücktreten. Einem Mädchen gelingt das Hochzählen bis in den dreistelligen Bereich. Ein Lob der Mutter bleibt nicht aus. „Tonnen Golds, Tonnen Golds, keiner sieht’s!“ schrieb Stefan George. Würde allerdings ein senkrecht von der Decke hängender Pfeil genau auf die zehn Gold enthaltenden Wirtssteine zeigen, könnte das den Aufenthalt vieler Besucher enorm verkürzen.

Aufgestellt wurde nach dem System von Strunz. Es ist mir unbekannt. Daher kann ich nicht feststellen, ob genau an dieser oder jener Stelle der Vitrine ein Mineral eventuell falsch eingeordnet ist. Spezialisierte Laien lüstern nach solchen Triumphen über die Fachwelt.

Der Geisterquarz steht in erster Reihe unter dem Vitrinenglas jedoch eindeutig an falscher Stelle. Man hat notgedrungen Aufsicht. Die Namensgebung erschließt sich jedoch nur bei frontaler Ansicht. Die kann man sich verschaffen. Aber ich sehe niemanden, der sich nach vorn zum schmalen Glasspalt, der die Frontseite der Vitrine oben abschließt, bücken würde, um die innerhalb des Bergkristalls herumgeisternden zwei weiteren zu erspähen.

Nicht allen gut tausend Ausstellungsstücken kann man gleiche Aufmerksamkeit entgegenbringen. Aber verweilen lässt es sich überall. Zum Goethit erscheint der Mann aus Weimar, der Cummingtonit wird verballhornt zum Comingtonite und bleibt unvergessen. Allerdings stammt der ausgestellte Vesuvian aus Kanada, der Orientit aus Kuba, der Jordanit aus der Schweiz, was wieder verwirrt, jedoch vom Zwieselit aus dem original bayrischen Zwiesel wettgemacht wird.

Minerale von geringer Größe oder besonderer Form bekommen in den Flachvitrinen zusätzlich zur Holzauflage kleine Postamente oder Glasschälchen spendiert. Andere werden von zierlichen Messingklammern gehalten. Diese Extras sind selten.

Leider ist keine geschlossene Sammlung zu sehen. Wie weit hat es jemanden in die Welt hinaus getrieben? Was hat ein anderer rund um den heimischen Schornstein entdeckt? Nicht beantwortbare Fragen, wenn kristallchemisch geordnet wird.

Da sind zum Beispiel die vierzehntausend Minerale des Sammlers Stephan Victor. Ein großes Ölbild zeigt ihn in k.u.k.-Harnisch und mit Säbel, das Mineral Stephanit ehrt ihn. Die Sammlung wäre in Berlin nie angelangt, hätte es nicht Herrn Carl Rumpff gegeben. Er posiert im Pelzmantel auf einem zweiten Ölbild daneben. Zwei Männer aus dem 19. Jahrhundert, als aufstrebender Kapitalismus und untergehender Feudalismus aufeinander trafen. Rumpff, verheiratet mit einer geborenen Bayer, beschloss sein Leben als Aufsichtsratsvorsitzender von Bayer. Erzherzog Stephan Victor von Österreich hingegen fiel bei Hof (u.a. Oberfranken) in Ungnade (oder vom Pferd). Dessen erzherzögliche Marotte, nämlich Minerale zu sammeln, verhalf Rumpff zu der größten privaten Mineraliensammlung Deutschlands. Im Jahr der Museumseröffnung verstorben, hatte er zuvor verfügt, dass die vom Erzherzog gesammelten und von ihm, Rumpff, erworbenen Minerale, dem Museum zu schenken seien. Von den vierzehntausend finde ich nur zwei: Den Klinchlor und den Babingtonit. Die Spurensuche ist anstrengend, aber interessant.

Auf den ersten Blick sichtbar sind nur die gedruckten Hinweise mit Bezeichnung und Fundort. Der Sammler wird dort nicht genannt. Man muss im Falle Rumpff Ausschau halten nach kleinen Etiketten aus der Zeit des Erwerbs, die den Mineralen direkt anhaften; geschrieben in Schönschrift mit Tinte in gerade noch lesbarer Größe mit Tendenz zum Mikrogramm, meist auch schon verfärbt. Bei nur wenigen der ausgestellten Stücke gibt die Präsentation dieses kalligraphische Meisterwerk zur Ansicht frei. Denn der Hinweis klebt in der Regel am Boden des Wirtsgesteins, der zur Lagefläche bestimmt ist, um den Anblick nicht zu stören. In diesen Fällen bin ich chancenlos. Ist keine plane Fläche vorhanden und der Zettel klebt irgendwo schräg unten, erhöhen sich die Chancen. Ist die Schräge allerdings zu flach, ist auch die Schrift nicht zu entziffern.

Zu meinem Glück hat man bei einigen Exponaten die frühere Lage radikal korrigiert. Sie stehen jetzt hochkant, wenn die Kristalle so besser zur Wirkung kommen.

Aber nicht jedes erspähte Etikett von alter Hand ist auch ein Treffer. Neben Rumpff gibt es noch andere, die um 1900 ihre Sammlung gestiftet haben. Nach langem Umherstreifen, vielem Bücken, vielem Kopfschiefhalten, zweiten und dritten Blicken, entdecke ich Klinchlor und Babingtonit mit dem anhaftenden Hinweis: „Coll. C. Rumpff 1889“ und bin begeistert. Als hätte ich die Stücke selbst aus finsterster Mine geborgen. Sehr wahrscheinlich, dass ich andere Objekte der Sammlung übersehen habe oder wegen der althergebrachten Lage das Etikett gar nicht erkennen konnte. Einige mögen 1945 auch auf Nimmerwiedersehen verschwunden sein, als der Saal geplündert wurde.

Zu erschöpft für eine weitere Runde, würde ich mich nun gern setzen. Anders als in der Saurierhalle, gibt es hier nur einen Stuhl; den des Wächters.

Ich verlasse den Saal wieder in Richtung der Schließfächer. Neben dem Ausgang grüßt lächelnd über mein eigenwilliges Umherstreifen, ein gipserner, jugendlich ausschauender Alexander von Humboldt aus der Vitrine. Ich grüße zurück, dankbar für die Zusammenarbeit mit meiner Großmutter, meiner Mutter und die naturkundliche Erweckung.

 

 

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Kühn, kühner, am feigesten

img_0871Am Vormittag, den 13. Juli 1970, sitzt ein achtzehn Jahre alter Oberschüler aus Westberlin in einem Zimmer des Bahnhofs Griebnitzsee. Das Besondere daran: Der Bahnhof liegt im DDR-Grenzgebiet und ist Kontrollpunkt für die Transitzüge von Westberlin nach Hamburg. Der Oberschüler, vom Bahnhof Zoo angereist, darf den Zug dort gar nicht verlassen. Er hatte jedoch etwas vergessen, von dessen Vorhandensein man sich immer viermal überzeugt hatte, bevor es transit ging: Den Ausweis. Nach der ergebnislosen Aufforderung „Zollkontrolle der DDR. Die Reisedokumente!“ verließ er unter scharfer Bedeckung Abteil und Zug in Richtung jenes Zimmers. Dort sitzt er eine Stunde allein, bevor sich ihm ein Uniformierter gegenübersetzt, der das Vergehen und die Gesetze der DDR vorträgt. Dann muss der Oberschüler seinen Reiseplan darlegen, der so ausschaut, dass er mit dem Klassenkameraden aus dem Abteil um 13.30 Uhr in Büchen den Zug verlassen wollte, um mit den Rädern aus dem Gepäckwagen eine Tour nach Dänemark zu starten. Daraufhin soll er beweisen, friedliebender Westberliner und kein feindliches Element, gar Republikflüchtling zu sein. Das heißt, er muss auf detaillierte Fragen zu Westberliner Örtlichkeiten die richtigen Antworten geben. Das gelingt ihm auch. Nur die letzte Frage kann er nicht beantworten. Er weiß zwar, dass im Wirtshaus Wuppke in der Schlüterstraße der Flipper nach Öffnen der Tür gleich rechts steht, kann aber nicht sagen, ab welcher erspielten Summe der Apparat ein Freispiel herausgibt.
Der Uniformierte geniest grinsend die leise aufkommende Panik und schwenkt vom Verhör um zur Plauderei, die er mit der Feststellung eröffnet, nichts gegen lange Haare zu haben. Der Oberschüler nennt auf Frage seinen Berufswunsch und bekommt die Vorteile des DDR-Bildungssystems erläutert. Nach einer Fragerunde zu Details der besuchten Oberschule, wird er schließlich eingeladen, beim nächsten Besuch der Hauptstadt der DDR doch unverbindlich im Haus des Lehrers vorbeizuschauen. Mit einem Gegenzug darf er zurück nach Westberlin reisen und einen zweiten Versuch unternehmen.
Ich war also allein weitergefahren und hatte mich mangels Gesprächspartner den Parolen entlang der Bahnstrecke gewidmet. Neben immer wiederkehrenden Hinweisen, dass im Bunde mit der Sowjetunion nichts schiefgehen könne, fielen mir zwei äußerst eigenwillige Spruchbänder auf. Dem Inhalt des ersten „Die DDR. Ein Staat der Jugend, modern, stark und schön!“ widersprach der Blick nach draußen. Erst als zwanzig Jahre später westdeutscher Beton Einzug hielt, wurde, was modern, stark und schön hätte sein sollen, immerhin als charmant gedeutet. Die zweite Parole „DDR. Kraftquell der Nation!“ blieb so lange rätselhaft, bis sie im neuen Jahrtausend zur personifizierten Wahrheit wurde.
Auf dem Bahnhof Büchen lud ich die Fahrräder aus und erklärte den westdeutschen Zöllnern, warum ich mit gleich zweien einsam auf dem Bahnsteig stand. Sie machten mir Mut. Alles käme wieder in Ordnung. Der Hokuspokus, den die da drüben veranstalten würden, dauere zwar, aber der nächste Zug aus Berlin käme sowieso erst in knapp sieben Stunden.
Pünktlich um 20.14 Uhr rollte er ein und der einzige Reisende, der ausstieg, war tatsächlich mein Klassenkamerad. Es wurde dunkel, als wir uns auf die Räder setzten. Über Mölln erreichten wir nach Mitternacht Ratzeburg.
Es war Regattawoche. An von Haus zu Haus gespannten Leinen hingen die Flaggen der beteiligten Nationen. Wir holten zwei herunter. Der Kumpan wählte sofort die deutsche, ich die finnische. Finnland war meine heimliche Liebe, weil das Land, wie ich meinte, meinem Charakter am ehesten entsprach; stumme, stille Weite, wo Schweigen nicht Maulfaulheit, sondern Tugend ist.
Die Jugendherberge war natürlich geschlossen. In der einzigen noch geöffneten Gaststätte wurde fleißig gewürfelt. Wir tranken Für die Seele und die Kehle jeder ein Astra-Pils und fragten die Wirtin nach Sicherheitsnadeln. Sie gab uns eine handvoll, wir zählten acht heraus, für jeden vier. Wegen des 60×40-Formats ließen sich die geklauten Fahnen nur senkrecht hinten auf den Parkas befestigen. Wir saßen auf. Es ging Richtung Lübeck. Im frühen Berufsverkehr wurden wir häufig angehupt. Da uns oft zwanzig, dreißig Meter trennten, war bald klar, dass die Huperei ausschließlich Schwarz-Rot-Gold galt. Ergänzend wurde meinem Kumpan der Vogel gezeigt. Er genoss es und grüßte mit erhobener Arbeiterfaust zurück. Mir kam der Verdacht, dass bereits der fehlende Ausweis eine absichtliche Provokation gewesen sein könnte. Ich aber, das blaue Kreuz senkrecht auf dem Rücken, galt offenbar als christlicher Radler auf Pilgerfahrt und war keine Reaktion wert. Als wir uns am Nachmittag vor der Lübecker Jugendherberge anstellten, hatten wir fast anderthalb Tage nicht geschlafen.
Der Herbergsvater, Schrot und Korn-, nicht etwa Lübecker Marzipanbrot-Typ, lief rot an, als wir an der Reihe waren. Statt uns in seine Liste einzutragen, ließ er den Kugelschreiber sinken, holte einmal tief Luft und schrie: „Fahnenschändung! Raus!“
FAZ, 15. Dezember 2016: „Um zu provozieren, braucht es heute kaum mehr als eine Deutschlandfahne. Das denken auch…“
… auch zwei Herrenmodeblogger. Das Berufsbild ist mir unbekannt. Aber Herrenmodeblogger scheinen auch zu nähen oder jemanden zu kennen, der nähen kann. Denn den Link zu den Herrenmodebloggern angeklickt, war auf allerhand sportivem Textil die Deutschlandfahne zu sehen. Darin mittig der Adler kopfüber. Bückling vor dem Milieu, in dem sich Herrenmodeblogger offenbar bewegen und das nicht weniger aggressiv gepolt ist als das der Herbergsväter 1970, nur eben andersherum. Daher sicherheitshalber noch beim Sozichef untergekrochen mit der Benennung des Sortiments als Deutschland Pack.
Ich war drauf und dran, mich um die Telefonnummer des wahrhaft kühnen Provos von damals zu kümmern.

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Unsere Freundin, die Weihnachtsgans

Tagesspiegel vom 12. Dezember 2016:

„Seit Jahrhunderten bedeutet der Gänsebraten ein Martyrium…“

Stopp! Der Tagesspiegel wird mir verraten wie ich den weißen Vogel, ohne ihm das tradierte Martyrium zu bereiten, vom Leben zum Tode befördere. Endlich! Ich erwarte, dass mir Art und Marke der besten Messer genannt werden, dann ein Organ, in das es beherzt zu stechen gilt. Dazu werden sicher allerneueste Erfahrungen aus den Drei-Vier-Fünf-Sterne-Küchen der Hauptstadt vorliegen. Oder ist es eleganter zu strangulieren, zeitgemäßer zu tasern, schicker zu vergasen? Zu all dem erfahre ich nichts. Denn der Satz endet so:

„… für den, der ihn zubreiten muss.“

 

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